Harte Zeit für Assekuranz

6. September 2002, 15:21
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Börsenkrise, Terror und Unwetter belasten - mit Grafik

Wien - Nicht rosig ist derzeit die Lage der Versicherungen. Vor allem die schlechte Börsenentwicklung, aber auch die Folgen der US-Terroranschläge am 11. September 2001 sowie die Unwetterkatastrophen belasten die Assekuranzen. Die Rückversicherungen werden sich für die Erstversicherer nach den Preisanhebungen des Vorjahres auch heuer wieder deutlich verteuern, erwartet Ferrante Lucchesi-Palli, Vorstand der Generali Rückversicherungs AG. Für die Versicherungsnehmer könnte sich dies in höheren Prämien etwa in der Feuerversicherung durchschlagen.

Am stärksten belastet seien die Assekuranzen aber durch die Situation an den Kapitalmärkten, so Generali Österreich-Chef und Präsident des Österreichischen Versicherungsverbandes, Dietrich Karner, am Freitag in einer Pressekonferenz. Falls sich die Situation auf den Finanzmärkten nicht "wesentlich" verbessert, werde dies zu einem "erheblichen" Abschreibungsbedarf führen. Für die Generali-Österreich-Gruppe könnte sie bei 100 Mill. Euro liegen. Man könne zwar aus heutiger Sicht nicht sagen, dass die Situation so bleiben werde, "allzu großer Optimismus" sei aber nicht angebracht. Der Aktienanteil in der österreichischen Versicherungswirtschaft liegt laut Karner derzeit bereits unter 10 Prozent, in der Generali-Gruppe seien es durchgerechnet 6,5 Prozent.

Generali: Vier vor dem Komma ist möglich

Sollte sich an den Kapitalmärkten keine wesentliche Verbesserung zeigen, werde die Generali-Gruppe auch die Gewinnbeteiligung erneut zurücknehmen, es werde dann "eine vier vor dem Komma" stehen. Derzeit liegen die Gewinnbeteiligungen der österreichischen Lebensversicherer bei 5 Prozent oder knapp darüber. Eine Absenkung des Garantiezinssatzes von derzeit 3,25 Prozent, wie es von der Finanzmarktaufsicht derzeit angedacht wird, ist für Karner "aus heutiger" Sicht nicht notwendig. "Ich glaube nicht, dass österreichische Lebensversicherer ein Problem haben, den technischen Zinssatz darzustellen". Die heimischen Assekuranzen verfügten noch über stille Reserven, die allerdings nicht unbegrenzt reichten.

Durch die schlechten Finanzergebnisse, die bisher Verluste in der Sachversicherung abfangen konnten, steigt auch der Druck technische Gewinne zu erzielen. "Harte Zeiten" stünden bei den Verhandlungen mit den Rückversicherern ins Haus, wobei auch die jüngsten Flutkatastrophen die Preise der Rückversicherer weiter verteuern würden. Die Generali-Gruppe habe an die Rückversicherer 70 Mill. Euro an Verlusten abgegeben, so Lucchesi-Palli. Dies wollten die Rückversicherer auch wieder sehen, wenn auch nicht innerhalb eines Jahres. Für die Generali-Gruppe seien die Prämienraten im Vorjahr um rund 50 Prozent gestiegen, auch heuer seien wieder "deutliche" Verteuerungen von 30 bis 40 Prozent zu erwarten. Auch die Vertragskonditionen dürften sich für die Erstversicherer verschlechtern. Dies werde in den nächsten Jahren wohl auch an die Kunden weitergegeben werden.

US-Terroranschläge - Teuerster Versicherungsschaden

Karner weist allerdings darauf hin, dass vor allem in der Haushalts- und Eigenheimversicherung langfristige Verträge existierten. Die Generali-Gruppe werde sehr genau überlegen, bevor sie hier etwas mache.

Im Jahr 2000 lagen die weltweiten Rückversicherungsprämien bei 120 Mrd. Dollar. Das waren rund 5 Prozent der globalen Erstversicherungsprämien von rund 2.443 Mrd. Dollar, von denen allerdings 62 Prozent auf die Lebenssparte entfielen. Der bisher teuerste Versicherungsschaden der Welt waren die US-Terroranschläge vom 11. September mit geschätzten 30 bis 60 Mrd. Dollar. Ansonsten finden sich unter den zehn teuersten Versicherungsschäden der Welt Naturkatastrophen, bei denen an erster Stelle der Hurrikan Andrew mit einem Schaden von rund 20 Mrd. Dollar steht.

Kritik an Besteuerung

Kritik an der Besteuerung von Rückstellungen der Versicherungen in Österreich kommt angesichts der Schwierigkeiten, mit denen sich die Assekuranzen derzeit konfrontiert sehen, erneut von der österreichischen Versicherungswirtschaft. Diese Steuerpraxis sei "wirtschaftlich absurd" und belaste die Versicherungen und die Versicherungsnehmer, so der Präsident des österreichischen Versicherungsverbandes, Generali Österreich-Chef Dietrich Karner, am Freitag in einer Pressekonferenz. (APA)

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