Frankreichs Kulturminister schaltet sich in Streit um Gorlin-Buch ein

6. September 2002, 13:58
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"Rose Bonbon" sei keine "Apologie der Pädophilie" - der Familienminister war anderer Meinung

Paris - Frankreichs Kulturminister Jean-Jacques Aillagon hat für den umstrittenen Roman "Rose Bonbon" (Gallimard) von Nicolas Jones Gorlin, der Ende August zwei Tage nach seinem Erscheinen wieder vom Markt genommen worden war, Partei ergriffen. "Der Roman stellt keine Apologie der Pädophilie dar", erklärte Aillagon am Donnerstagabend in der Literatursendung "Campus" im TV-Sender France 2.

"Ich bin der Ansicht, dass der Aufbau des Romans, insbesondere das letzte Kapitel, darauf hinweisen, dass sehr wohl eine romanhafte Distanz gegenüber dieser moralisch und sozial verwerflichen Praxis vorhanden ist", betonte der Kulturminister. Familienminister Christian Jacob hatte am Vortag genau das Gegenteil gesagt und das Buch, das die Geschichte eines Pädophilen erzählt, heftig kritisiert. "In einer Regierung gibt es manchmal Nuancen in der Sensibilität und in der Bewertung. Es steht jedem zu, seine Rolle zu spielen", kommentierte Aillagon Jacobs Position.

"Wir legen alle großen Wert auf die Meinungsfreiheit, insbesondere im literarischen oder künstlerischen Bereich. Ein Bild von Balthus kann schockieren, aber dennoch ein großes Meisterwerk sein. Man muss mit dieser Einsicht vorgehen", fügte Aillagon hinzu, der gemeinsam mit Ex-Bildungsminister Jack Lang und dem Schriftsteller Philippe Sollers zu den Studiogästen der Literatursendung zählte.

In "Rose Bonbon" beschreibt der Ich-Erzähler, wie er in einem Kino ein Kind belästigt und dessen Mutter schlägt. Nach seiner Fetsnahme wird ihm eine chemische Therapie vorgeschlagen. In Frankreich wollen zwei Kinderschutz-Vereinigungen Anzeige gegen den Autor und den Verlag erstatten. (APA)

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    Jean-Jacques Aillagon

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