Lockheed Martin kritisiert Entscheidungsprozess

6. September 2002, 12:55
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US-Anbieter ist um Ruf der F-16 besorgt und fordert Bewertung ein - Verteidigungsministerium weist Vorwürfe zurück

Wien - Der im Rennen um die Draken-Nachfolge unterlegene US-Rüstungskonzern Lockheed Martin ortet Ungereimtheiten im Vorfeld der Typenentscheidung. Stein des Anstoßes ist nach wie vor die Entscheidung der Heeresexperten, die F-16 von Lockheed Martin wegen der Ausschreibung nicht entsprechenden technischen Spezifikationen für das Radar und eine digitale Landkarte auszuscheiden. Die Vertreter des US-Konzerns sehen den Ruf ihres Produkts gefährdet und betonen, sie hätten alle Informationen angeboten. Das Verteidigungsministerium weist die Vorwürfe zurück.

Konkret verweist der Österreich-Vertreter von Lockheed Martin, Alan Bonderud, im Gespräch mit der APA auf einen Brief von Lieutenant General Tome H. Walters, dem Direktor der für den weltweiten Verkauf von amerikanischer Rüstung verantwortlichen "Defense Security Cooperation Agency", an Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F). In diesem Schreiben betont Walters in Sachen digitaler Landkarte, dass Österreich der erste Kunde für ein neues System sein könnte, das auch in US-Jets zum Einsatz kommen solle.

Und das angebotene Radar entspreche den Anforderungen der Ausschreibung, so Walters weiter. Nähere Details könnten aber nur in einem Informationsgespräch unter Geheimhaltung genannt werden. Experten der US-Regierung und der Rüstungsindustrie stünden dafür zur Verfügung.

Auf diesen mit 16. Mai datierten Brief habe man nie eine Antwort bekommen, so Bonderud. Es habe lediglich geheißen, mit Vertretern der Rüstungskonzerne werden keine Gespräche geführt. Überhaupt ist er über die Zeitabläufe verwundert. Im Ende Juni fertig gestellten Bericht der Bewertungskommission heißt es, die Bewertung des F-16-Angebots sei am 7. Mai eingestellt worden.

Bereits am 25. Mai hat die "Presse" berichtet, dass die F-16 aus dem Rennen sei. Das Verteidigungsministerium hat diesen Bericht in einer Aussendung damals dementiert, die Angebote aller drei Bieter würden bewertet. "Jemand sagt da nicht die Wahrheit", so Bonderud, "es ist nicht die US-Regierung und es ist nicht Lockheed Martin".

Bonderud fordert nun, dass das Angebot für die F-16 umfassend bewertet wird. Dann, so ist er überzeugt, würde es als das Beste gelten. Andernfalls wäre zumindest das Vertrauen in den Entscheidungsprozess wieder hergestellt. Lockheed Martin sorgt sich auch um den Ruf seines Jets, noch nie sei die F-16 irgendwo wegen technischer Unzulänglichkeiten ausgeschieden worden.

Im Verteidigungsministerium hat man die Vorwürfe am Freitag zurückgewiesen. Man habe von Anfang an betont, über die Details der Verfahrensabläufe nicht zu informieren. Offiziell ausgeschieden sei die F-16 jedenfalls erst Ende Juni mit dem Endbericht der Bewertungskommission, zu einem früheren Zeitpunkt sei eine derartige Aussage daher nicht möglich gewesen. Und das von Lockheed Martin angebotene Treffen hätte nicht ausgereicht, weil Grundlage der Bewertung nur die innerhalb der Anbotsfrist vorgelegten schriftlichen Unterlagen sein konnten. (APA)

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    F-16

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