TV-Duell: Punktesieg für Schröder

9. September 2002, 17:07
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Nach geglücktem zweiten TV-Duell lebt die Chance einer Neuauflage von Rot-Grün - Auch Stoiber "sehr zufrieden"

Schröder und Stoiber sehen Wahl-TV-Duell als Erfolg - TM Laut Umfragen SPD-Kanzler voran -

Berlin - Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein konservativer Herausforderer Edmund Stoiber sehen ihr Wahl-TV-Duell als Erfolg. 15,26 Millionen Menschen haben die zweite Runde am Sonntagabend im Fernsehen gesehen. Umfragen zufolge schnitt Schröder deutlich besser ab als der Kandidat von CDU/CSU.

Schröder sagte nach einer Sitzung der SPD-Führungsgremien am Montag in Berlin, es gebe "gute Chancen" für einen Erfolg der rot-grünen Regierung bei der Wahl in knapp zwei Wochen. "Es geht um Inhalte und Personen." Aber gerade "in ganz zugespitzten Situationen" gehe es um Führungs-Fähigkeiten: "Wer bringt uns durch diese Krise?"

Rot-Grün oder Schwarz-Gelb

Es gehe im Endspurt des Wahlkampfes nicht allein um die Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem Herausforderer Edmund Stoiber, sagte Schröder nach einer SPD-Präsidiumssitzung am Montag in Berlin. Die letzten beiden Wochen vor der Bundestagswahl seien auch "ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden ins Auge gefassten Koalitionen" - Rot-Grün oder Schwarz-Gelb.

Der Wähler müsse letztendlich entscheiden, wer in nationalen und internationalen Fragen die Führung habe, sagte Schröder. Die Frage laute: "Wer bringt uns durch die Krise?" SPD und Union lägen derzeit in Umfragen gleichauf. Die FDP habe sich ein "bisschen lächerlich gemacht" mit ihrem Wahlziel 18 Prozent. Die Liberalen könnten froh sein, wenn sie acht Prozent bekämen, meinte der Kanzler. Die Grünen sieht er "im Aufwind". Wahlentscheidend werde auf keinen Fall die PDS sein.

Nach Ansicht der SPD hat Schröder seine Souveränität in dem TV-Duell gezeigt. Stoiber habe dagegen "Deutschland schlecht geredet". Nach Ansicht der Unions-Parteien hat Stoiber seine Kompetenz in Fragen der Arbeits- und Wirtschaftspolitik gezeigt. Dies belegten auch die Umfragen, nach denen aber Schröder das Duell insgesamt gewonnen hat.

Umfrage sieht Schröder als klaren Duell-Sieger

Nach einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen waren 49 Prozent der Ansicht, Schröder sei der Sieger. Allerdings vertraten 24 Prozent die Ansicht, das Duell sei unentschieden ausgegangen, und 26 Prozent sahen Stoiber als Gewinner.

Stoiber sagte in Berlin, er sei "sehr zufrieden" mit beiden Runden des TV-Duells. Die Unions-Parteien seien vor der Wahl "sehr gut aufgestellt". Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel erklärte nach Beratungen der Führungsgremien ihrer Partei, in den letzten Tagen solle die Wahl-Auseinandersetzung "noch einmal zugespitzt" werden. Rot-Grün sei nach vier Jahren für 40 000 Insolvenzen und 4 Millionen Arbeitslose verantwortlich. Die wirtschaftliche Zukunft sei die entscheidende Frage bei der Wahl. Die Union wolle einen Aufschwung auslösen.

Mehr als 15 Millionen Zuschauer

Nach den Angaben der Sender haben 10,9 Millionen Zuschauer bei der ARD und 4,36 Millionen beim ZDF die zweite Runde des TV-Duells verfolgt. Das waren 44,9 Prozent der Fernseh-Zuschauer an diesem Abend. Damit fand diese letzte Runde gegenüber der ersten am 25. August ein etwas stärkeres Interesse. Die erste Runde hatten bei den Privatsendern RTL und SAT.1 insgesamt 14,84 Millionen Menschen gesehen.

In Deutschland war erstmals ein solches TV-Duell der Spitzenkandidaten der beiden großen Volksparteien ausgestrahlt worden. Die FDP hatte vergebens versucht, durch die Entscheidung von Gerichten ihre Beteiligung zu erzwingen. (APA/dpa/AP)

Das zweite und letzte TV-Duell des Kanzlers mit seinem Herausforderer konnte Schröder nach Umfragen für sich entscheiden
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