Dürr-Chef Pötsch wird neuer Finanzchef von Volkswagen

6. September 2002, 12:37
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Pischetsrieder leitet Umbau der Konzernspitze ein

Hamburg - Der Vorstandschef des Stuttgarter Anlagenbauers Dürr AG, Hans Dieter Pötsch, soll Ende nächsten Jahres neuer Finanzchef bei Europas größtem Automobilkonzern Volkswagen werden.

Wie VW mitteilte, berief der Aufsichtsrat Pötsch am Freitag zum Nachfolger von Bruno Adelt, der noch bis Ende 2003 weiter als Finanzchef amtieren soll. Pötsch wird bereits mit Wirkung zum 1. Jänner als Vorstandsmitglied ohne Geschäftsbereich zum Wolfsburger Konzern hinzustoßen und soll bis Ende nächsten Jahres dann von Adelt in das Finanzressort eingearbeitet werden. Adelts Vertrag bei Volkswagen läuft dann aus. Der 63-Jährige ist seit 1995 für das Controlling und Rechnungswesen des VW-Konzerns zuständig.

Stephan Rojahn Nachfolger von Pötsch

Der Aufsichtsrat der Dürr AG bestellte unterdessen den Ingenieur Stephan Rojahn zum Nachfolger von Pötsch. Rojahn, der zuletzt als Geschäftsführer bei der Bosch Gruppe gearbeitet habe, solle bereits zum 1. Oktober Vorstandsmitglied bei Dürr werden, teilte das Unternehmen mit. Am 1. Jänner 2003 soll er dann sein neues Amt als Dürr-Vorstandsvorsitzender antreten.

Mit Pötschs Ernennung leitet der erst seit April 2002 amtierende Konzernchef Bernd Pischetsrieder einen Umbau der Unternehmensspitze ein. Er geht dabei anders als sein Vorgänger Ferdinand Piech, der bei seiner Amtsübernahme Anfang der 90er Jahre fast die gesamte Führungsriege auswechselte, aber langsamer vor.

Ertragsprognose herabgesetzt

Volkswagen hatte vor Kurzem wegen der schwachen Automobilnachfrage im ersten Halbjahr seine Ertragsprognose für 2002 herabgesetzt. Statt eines Rekordgewinns, wie ihn sein Vorgänger Piech mit 4,4 Mrd. Euro im vergangenen Jahr vorlegt hatte, hält Pischetsrieder nun einen Vorsteuergewinn von vier Milliarden für erreichbar. Erreicht werden soll dieses Ziel unter anderem mit Hilfe weiterer Kosteneinsparungen. Das Thema Kostensenkungen sollte nach Experteneinschätzung auch ein Thema der Aufsichtsratssitzung sein. Aus Unternehmens- und Aufsichtsratskreisen hatte es zuvor ferner geheißen, dass Pischetsrieder seinem Aufsichtsgremium auch einen Ausblick auf den weiteren Geschäftsverlauf geben werde. Die Veröffentlichung einer neuen Prognose wurde allerdings als eher unwahrscheinlich erachtet.

Der im MDax für mittelgroße Unternehmen notierte Stuttgarter Anlagenbauer Dürr war im ersten Halbjahr 2002 wegen Aufwendungen für die Sanierung seiner Tochter Carl Schenck sowie für Teile des US-Geschäfts in die roten Zahlen geraten. Vor Steuern war nach Konzernangaben dadurch ein Verlust von 15,6 Mill. Euro entstanden. Ein Jahr zuvor hatte Dürr noch 12,2 Mill. Euro Gewinn vor Steuern erzielt. Trotz eines bis Ende Juni um 16 Prozent gewachsenen Auftragseingangs rechnet der Lackierstraßen- und Montagelinienhersteller bis zum Jahresende nur mit stabilen Umsätzen. Das Vorsteuerergebnis soll von Restrukturierungskosten abgesehen ebenfalls auf Vorjahresniveau liegen, hieß es.(APA/Reuters)

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