Widerstand als Antwort

6. September 2002, 18:43
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Ausstellung in Berlin will mit Vorurteil der wehrlosen Juden und Jüdinnen aufräumen

Berlin - "Lasst uns nicht wie Schafe zur Schlachtbank gehen! Es stimmt, wir sind schwach und schutzlos. Doch es gibt nur eine Antwort auf das Verbrechen: Widerstand!" Diese Worte sprach der Partisane Abba Kovner Ende 1941 vor Vertretern jüdischer Organisationen. Doch bis heute ist die Auffassung, die Juden hätten sich nicht gegen das Morden der Nationalsozialisten gewehrt, weit verbreitet. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin mit dem Titel "Jüdischer Widerstand" will mit diesem Vorurteil aufräumen.

Erstmals widmet sich eine Schau ausschließlich diesem Thema. Bis zum 5. November zeigen Fotografien, Plakate, Dokumente und Augenzeugenberichte den Kampf der Juden Europas gegen den Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. Dargestellt werden sowohl die Schwierigkeiten des Widerstands als auch seine Leistungen, Gefahren und Erfolge. Eingerahmt von den Lebensläufen von Widerstandskämpfern stehen die Methoden und Aktivitäten des west- und osteuropäischen Widerstands gegen die Besatzer und deren mörderische Ziele im Mittelpunkt der Darstellung.

Rund 40.000 im Kampf im Untergrund

Es sind weniger Originale zu sehen, als vielmehr Reproduktionen. Die meisten Dokumente befänden sich in privaten Archiven, erklärt Hans Ottomeyer, Generaldirektor des Museums. Die Exponate werden in sechs größtenteils düsteren Räumen präsentiert, deren Architektur sich dem jeweiligen Thema anpasst. In einem Raum mit dem Titel "Der bewaffnete Kampf" stehen Baumstämme. Einige Juden trafen die Entscheidung, in Wälder zu gehen, um Partisanen zu werden. Insgesamt waren es rund 40.000, die im Untergrund ihren Kampf gegen die so genannte Endlösung führten.

Alle ausgestellten Dokumente und auch die in Videos gezeigten Augenzeugenberichte bleiben in der Originalsprache und werden nicht übersetzt. Ansonsten müsste die Fläche vervierfacht werden, erklären die Ausstellungsmacher. Ein Audiogerät gibt Hilfestellungen. Das reicht häufig nicht aus, so dass einiges im Dunkeln bleibt.

Begriff Widerstand

Die Ausstellung klärt zunächst den Begriff Widerstand: Dieser muss nicht nur ein bewaffneter, sondern kann auch ein moralischer sein. In dem Kapitel "Hinter Mauern" wird das Leben der jüdischen Bevölkerung in den Gettos Osteuropas beschrieben. Zeitzeugenberichte und Tagebücher zeigen, dass sich die Bewohner trotz der extremen Lebensbedingungen bemühten, ihr religiöses und kulturelles Leben aufrecht zu erhalten.

In einem anderen Raum wird an einigen Beispielen dargestellt, wie die Nazis einerseits versuchten, den Massenmord geheim zu halten. Andererseits verbreiteten Berichte von Entkommenen die schreckliche Kunde vom Mordgeschehen. Im weiteren Verlauf der Schau wird gezeigt, wie die Juden immer wieder lebhafte Debatten über Widerstand und Kooperation führten. Daneben wird eine große Zahl heimlicher Widerstandsbewegungen präsentiert. Am Ende ist eine große Karte aufgestellt, die die ermordeten Juden nach Ländern aufschlüsselt. Insgesamt wurden fast sechs Millionen getötet.

"Die Zeitzeugen sterben"

"Die Zeitzeugen sterben", sagt Ernst Ludwig Ehrlich, Ehrenvizepräsident der jüdischen Organisation B'nai B'rith Europe, die die Ausstellung initiierte. Um die Erinnerung an diese Zeit nicht zu verlieren, sei daher eine Ausstellung wie diese unbedingt notwendig. (APA/AP)

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