Neue Hoffnung bei Morbus Crohn

10. September 2002, 20:13
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Im Test körpereigene Stammzellen nach Chemotherapie transplantiert

Freiburg - Neue Hoffnung für Morbus-Crohn-Patienten: Mit der Transplantation körpereigener Knochenmark-Stammzellen können die Symptome der chronischen Darmentzündung langfristig zum Verschwinden gebracht werden. Das war zumindest bei einem besonders schwer erkrankten Patienten das Ergebnis einer Therapie am Uniklinikum Freiburg. Die Wissenschafter hoffen, mit der neuen Methode solchen Patienten, bei denen die herkömmlichen Therapien keine Wirkung zeigen, eine mehrere Jahre anhaltende gesunde Phase zu ermöglichen.

In Westeuropa leiden rund 100.000 Menschen an Morbus Crohn, der wie die ebenfalls chronische Darmentzündung Colitis ulcerosa zu den Autoimmunerkrankungen gehört, bei denen das Abwehrsystem gegen den eigenen Körper vorgeht. Während es sich bei Colitis ulcerosa um eine Entzündung der inneren Schicht des Dickdarms handelt, die dort und am Rektum Geschwüre hervorruft, kann Morbus Crohn den ganzen Darmtrakt befallen, am häufigsten jedoch den letzten Teil des Dünndarms.

Hauptsymptome sind Bauchkrämpfe, ständige Durchfälle, Blut im Stuhl, Fieber und Müdigkeit. Aber auch Gelenk- und Bindehautentzündungen können als Folge auftreten. Eine Heilung ist bisher nicht möglich.

Körpereigene Stammzellen nach Chemotherapie

Bei der neuen Stammzelltherapie wird den Angaben zufolge das Immunsystem des Patienten mit einer hoch dosierten Chemotherapie zerstört und danach durch die Transplantation eigener Knochenmark-Stammzellen wieder in einen "jungfräulichen" Zustand versetzt. Auf diese Weise soll die unkontrollierte Immunreaktion ausgeschaltet werden, die die chronische Entzündung der Darmschleimhaut verursacht.

Dem Freiburger Patienten hatten die Ärzte nach eigener Auskunft mit keiner der gängigen Verfahren dauerhaft helfen können. Der 36-Jährige hatte durch Operationen bereits große Teile von Dünn- und Dickdarm verloren. Aus diesem Grund wurde bei ihm nun eine solche Knochenmarkbehandlung getestet.

Und tatsächlich waren bei dem Patienten in den sechs Monaten nach der Transplantation auch ohne medikamentöse Behandlung keine Anzeichen des Morbus Crohn mehr zu finden, wie die Universitätsklinik berichtete. Dies beweise, dass diese so genannte immunoablative Therapie mit anschließender Stammzelltransplantation eine Erfolg versprechende Alternative zu herkömmlichen Methoden sei. (APA/AP)

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