TiSpa: In vier Jahren 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt

6. September 2002, 11:20
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Mitglieder des Sparkassenvereins fordern Vereinsversammlung

Innsbruck - Die Aufregung um die Tiroler Sparkasse Bank AG (TiSpa), die heuer erstmals in ihrer Geschichte Verluste im zweistelligen Millionenbereich erwartet, hat sich am Freitag fortgesetzt. Unter dem einstigen Führungsduo Ernst Wunderbaldinger und Ivo Greiter soll die Tispa von 1998 bis 2002 die Hälfte ihres Wertes - umgerechnet rund 145 Mill. Euro - verloren haben.

Vor dem Einstieg der Bayerischen Landesbank (BayernLB), die sich 1998 mit 25 Prozent an der TiSpa beteiligt hatte, sei der Wert der Tiroler Sparkasse laut dem früheren Generaldirektor Hubert Klingan mit rund vier Mrd. S (291 Mill. Euro) beziffert worden. Nach dem Rückzug der Bayern, die ihre Anteile in der Folge auf etwa 46 Prozent aufgestockt hatten, habe sich der Wert halbiert, hieß es in der Freitag-Ausgabe der Tiroler Tageszeitung (TT).

Nur noch zwei Milliarden Schilling wert

"Die Anteilsverwaltungssparkasse erhielt kürzlich für den Verkauf von fünf Prozent an die Erste Bank über 100 Millionen Schilling", wurde der Vorsteher des Sparkassenvereins und ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrates der Tiroler Sparkasse, Ivo Greiter, in der TT zitiert.

Hochgerechnet würde dies also bedeuten, dass die TiSpa 2002 insgesamt nur noch zwei Mrd. S wert sei und somit in den letzten vier Jahren 50 Prozent ihres Wertes eingebüßt habe. Diese Rechnung wurde von Greiter alllerdings bezweifelt und die Darstellung als "irreführend" bezeichnet. "Laut Controlling-Bericht war der Wert der TiSpa 1995 mit rund 500 Mill. S anzusetzen. Bei einem Beteiligungsangebot der Erste Bank, die Anteile an der Sparkasse erwerben wollte, wurde 1997 der Wert bereits mit 1,7 Mrd. S angesetzt. Heute liegt der Wert der TiSpa bereits über zwei Mrd. S", teilte Greiter am Freitag in einer Aussendung mit.

Vereinsmitglieder "ausführlich" über die Entwicklung berichtet

Im Jahre 1998 habe die BayernLB "eine Beteiligung auf der Wertbasis von 3,5 Mrd. S, also über dem rechnerischen Unternehmenswert, erworben, erklärte Greiter weiters. Für die BLB sei die TiSpa-Beteiligung nämlich als "Bindeglied einer Nord-Süd-Achse zwischen Bozen, Innsbruck und München von besonderem Interesse und größter strategischer Bedeutung" gewesen.

Bei der diesjährigen Vereinsversammlung am 27. Mai 2002 sei allen anwesenden Vereinsmitgliedern "ausführlich" über die Entwicklung der Sparkasse und den Verkauf von fünf Prozent berichtet worden. Außerdem seien dabei der Vorsitzende und seine beiden Stellvertreter, Jürgen Bodenseer und Anton Steixner, einstimmig wiedergewählt worden. Selbstverständlich werde entsprechend den Statuten auch eine weitere Vereinsversammlung einberufen, wenn die bei der letzten Versammlung nicht anwesenden Mitglieder, dies beantragen sollten, betonte Greiter in seiner Stellungnahme.

Von Mitgliedern des Sparkassenvereins, wie dem Innsbrucker Bürgermeister Herwig van Staa, waren auf Grund dieser neuen Zahlen "sofortige Konsequenzen" gefordert worden. Von Greiter und seinen beiden Stellvertretern sei umgehend eine Vereinsversammlung einzuberufen. "Denn die Wertverminderung der Sparkasse und des Vereins ist offenbar gewaltig. Bei dieser Versammlung gehören dann endlich alle Fakten auf den Tisch", hatte van Staa in der TT eine lückenlose Aufklärung gefordert.(APA)

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