Ein Mafiajäger gibt nicht auf

6. September 2002, 20:36
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Für zwei ehemalige Mafiafahnder ist der Prozess wegen Amtsmissbrauchs schon wieder vorbei - Der dritte Angeklagte kämpft weiter

Wien - Josef B. bleibt vorerst über. Nur mit ihm, dem Chef-Mafiafahnder, wird der Prozess wegen Amtsmissbrauchs weiter gehen. Seine beiden Kollegen haben Schuldeingeständnisse abgelegt und sollten bereits Freitagabend im Wiener Landesgericht verurteilt werden. Doch Josef B. spielt nicht mit. "Ich habe meine Pflicht erfüllt", sagt der 51-Jährige. Und: "Meine Vorgesetzten waren über jeden Schritt informiert".

Wie berichtet, wird den Beamten der mittlerweile aufgelösten Einsatzgruppe zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (Edok) vorgeworfen, einen langjährigen V-Mann vor einer strafrechtlichen Verfolgung bewahrt zu haben. Der V-Mann heißt Jeremiasz. B., gilt als mutmaßlicher Capo der Schmugglerszene und wird verdächtigt, in Warschau zwei Mordanschläge in Auftrag gegeben zu haben. Im Herbst 2001 wurde Jeremiasz B. in seinem Haus in Niederösterreich verhafte.

Thomas S. (38), ehemaliger "Führer" der V-Mannes, gestand bereits Donnerstag ein, Informationen, die Jeremiasz B. belastet hätten, wissentlich nicht weitergeleitet zu haben. In seiner abschließenden Stellungnahme dankte er für den "fairen Prozess". Johann B. (45) bekannte sich in zwei weiteren Amtsmissbräuchen schuldig: einmal führte er ohne gerichtliche Genehmigung eine Telefonrufdatenerfassung durch, ein anderes Mal kassierte er 40.000 US-Dollar für ein gefälliges Leumundszeugnis für einen russischen Diplomaten. Kurz vor den Urteilsberatungen bat er um die "Chance für einen Neuanfang woanders". Polizist sei er trotz Verfehlungen ",mit Leib und Seele" gewesen.

Gespräche auf Band

Für Josef B. geht es Ende Oktober weiter. Das Gericht muss nämlich erst tausende Tonbandaufzeichnungen auswerten, die der Beschuldigte von Jänner 2001 bis zu seiner Verhaftung im Frühjahr 2002 gesammelt hat - weil er schon gespürt habe, dass gegen ihn eine Intrige laufe, habe er während dieser Zeit alle Gespräche - "mit Freund und Feind"- geheim mitgeschnitten. Josef B. ist sich sicher, damit seine Unschuld beweisen zu können. Mit der von der Kriminalabteilung Niederösterreich gegründeten "Soko Nord", die gegen Jeremiasz B. ermittelte, habe kein gutes Einvernehmen bestanden. Er sei nicht über den Ermittlungsstand informiert worden, beklagte der Mafiafahnder vor Gericht. Misstrauen, und offene Feindseligkeit prägten das Verhältnis zwischen Edok und Soko.

Schließlich wurde Josef B. die Weisung erteilt, sich aus der Arbeit der Soko Nord herauszuhalten. "Ich hätte die Sache ohnehin nicht einmal mehr mit der Zange angegriffen", behauptete der frühere Spitzenpolizist. Doch Staatsanwältin Michaela Schnell: "Als es für den V-Mann eng wurde, haben Sie versucht, ihn ins FBI-Zeugenschutzprogramm zu hieven.

"Ich habe meine Befugnis nicht überschritten", sagte der Angeklagte. Es sei seine Pflicht "als Mensch und selbstverständlich als Verantwortlicher für eine Vertrauensperson", für deren Schutz zu sorgen. Außerdem habe er den Zeugenschutz nur vorbereitet. "Durchführen können so was nur höhere Stellen." Alle bis hin zu Kripo-Chef Herwig Haidinger seien informiert gewesen. Es habe immer nur geheißen, "kümmer dich darum". (simo/DER STANDARD, Printausgabe, 7.9.2002)

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