Österreicher wollen keinen "großen Militärschlag"

6. September 2002, 10:49
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Eher für "Macht des Geldes" - Anschlag vom 11. September nach wie vor als "Warnung für die gesamte westliche Welt" gesehen

Linz - Die Mehrheit der Österreicher ist dafür, den Kampf gegen den Terrorismus nicht mit einem "großen Militärschlag" zu führen. Stattdessen solle auf die "Macht des Geldes" und auf das Einfrieren von Bankkonten sowie auf schärfere Kontrollen zur Verhinderung von Geldwäsche und Börsenmanipulationen gesetzt werden. Die Geschehnisse des 11. September vor einem Jahr sehen große Teile der Bevölkerung (42 Prozent) als Warnung für die gesamte westliche Welt. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts "Spectra" hervor.

Insgesamt wurden 1.000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 15 Jahren im August 2002 befragt, eine gleich lautende Erhebung gab es auch bereits im Oktober 2001. Den Befragten wurden zehn Antwortmöglichkeiten vorgelegt, Mehrfachnennungen waren möglich. "Größere" Militärschläge gegen islamische Länder, die Terroristen beherbergen und unterstützen, befürworten nur 13 Prozent der Österreicher. Gezielte kleinere Militärschläge - etwa gegen Ausbildungslager - könnten sich 23 Prozent vorstellen.

Die größte Zustimmung im Kampf gegen den Terror brachten die Befragten dem "Austrocknen" von Terroristen-Geldern entgegen (39 Prozent) - im Oktober 2001 lag diese Zahl allerdings noch bei 52 Prozent. Insgesamt sei die Vorstellung, wie der Terror zu bekämpfen sei, verblasst. Die Auseinandersetzung mit der Thematik habe sich markant abgeschwächt, interpretieren die Meinungsforscher diese Zahlen.

Beinahe jeder zweite Österreicher sieht religiösen Fanatismus, der in islamischen Ländern von kleinen Gruppen geschürt werde, als Auslöser für den Terroranschlag. An zweiter Stelle wurde genannt, dass sich die Amerikaner zu stark in die inneren Angelegenheiten islamischer Länder gemischt hätten. Deutlich abgeschwächt hat sich die Meinung, dass Rachegedanken - weil die USA im Nahost-Konflikt auf der Seite der Israeli stehen - die Ursache seien. Glaubten das im Vorjahr noch 35 Prozent, sind es jetzt nur mehr 26.

Die Hälfte der Österreicher spürt beim Anblick von Fotos der "Twin Towers" Betroffenheit, Entsetzen und schreckliches Leid. Die Stärke der Empfindungen hat allerdings deutlich abgenommen, die Werte lagen im Vorjahr noch rund zehn Prozent höher. Trotzdem: Rund zwei Drittel der Befragten - exakt 65 Prozent - sprachen sich gegen einen Verwendung von Fotos des World Trade Centers zu werblichen Zwecken aus, nur vier Prozent weniger als unmittelbar nach den Anschlägen. Der 11. September habe eine "traumatische Wunde" im Bewusstsein der Öffentlichkeit hinterlassen, so die Meinungsforscher.(APA)

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