Spanien: Hochzeit wie von Königskindern ...

6. September 2002, 13:38
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Kritik an der teuren Traumhochzeit von Präsident Aznars Tochter - Europäische Polit-Prominenz als Gäste: Trauzeugin Cherie Blair

Madrid - Für die einen war es schlichtweg die Hochzeit des Jahres, für die anderen eher ein Ärgernis. Wohl noch nie haben sich in Spanien an einer Eheschließung so sehr die Geister geschieden wie an der Vermählung von Ana Aznar Botella mit Alejandro Agag am Donnerstagabend.

Wie eine Königshochzeit...

Dabei hatte niemand etwas dagegen, dass die 20- jährige Tochter des spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar und der 31 Jahre alte Ex-Europaabgeordnete einander das Ja-Wort gaben. Aber die prachtvolle Zeremonie wurde für manchen Spanier zum Stein des Anstoßes.

Psychologie-Studentin heiratet Bankdirektor

Die "Traumhochzeit" zwischen der Psychologie-Studentin und dem Bankdirektor wurde in einer Weise gefeiert, wie sie normalerweise Königskindern vorbehalten ist.

Regierungschefs kamen

Zu den mehr als 40 Trauzeugen gehörten die Regierungschefs von Großbritannien und Italien, Tony Blair und Silvio Berlusconi. Unter den 1100 geladenen Gästen waren König Juan Carlos, Königin Sofia, sämtliche Minister der Regierung, die Präsidenten des Parlaments und der obersten Gerichte sowie die Chefs von Konzernen und Großbanken. Der Schlagersänger Julio Iglesias sagte eigens ein Konzert ab, um bei der Hochzeit dabei sein zu können.

Die Regenbogenpresse war entzückt von der Anmut der jungen Braut in dem weißen Hochzeitskleid mit der meterlangen Schleppe und von dem freundlich lächelnden Bräutigam. Eine solche Märchenhochzeit hatte Spanien seit den Vermählungen der beiden Königstöchter Elena und Cristina in den Jahren 1995 und 1997 nicht mehr erlebt.

Die Zeitung "El Mundo" ernannte die Aznar-Tochter am Freitag zur "dritten Infantin" (Königstochter). Die Blätter der Regenbogenpresse, die normalerweise donnerstags herauskommen, verschoben ihr Erscheinen, um aktuell über die Feier berichten zu können.

Den Bogen überspannt

Einige Kommentatoren der seriösen Blätter sahen in der "königlichen Hochzeit" dagegen eine Stillosigkeit und warfen dem konservativen Regierungschef vor, den Bogen überspannt zu haben. "Aznar hat die Heirat seiner Tochter dazu missbraucht, zur Schau zu stellen, wie weit sein Einfluss reicht", meint das Nachrichtenmagazin "El Siglo".

Zeichen von Größenwahn

Schon die Wahl des Ortes der Vermählung - das Kloster von San Lorenzo de El Escorial - wurde als ein Zeichen von Größenwahn interpretiert. Der gigantische Palast in den Bergen nordwestlich von Madrid gilt als ein Symbol von Größe und Macht. Er war von König Felipe II. (1556-1598) errichtet worden, der über ein Reich von Asien bis Südamerika herrschte, in dem "die Sonne nie unterging".

"Weil er (Aznar) seine Füße auf den Scheibtisch von US-Präsident George W. Bush legen durfte, kann er jetzt seinen Hintern auf den Sessel von Felipe II. setzen", lästert Manuel Hidalgo. Der Kolumnist der - Aznar nahe stehenden - Zeitung "El Mundo" hält die aufwendige Hochzeitsfeier für einen schweren politischen Fehler. Damit habe der Regierungschef sein jahrelang gepflegtes Image, ein normaler Spanier zu sein wie jeder andere, ein für alle Mal zerstört. (APA)

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