OPEC warnt Militärschlag

6. September 2002, 08:02
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"Man weiß, wann ein Krieg beginnt, aber man weiß nicht, wie und mit welchen Folgen er zu Ende geht".

Rio de Janeiro - Der Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC), Alvaro Calderon, hat vor den Folgen eines militärischen Schlags gegen den Irak gewarnt. "Die Welt muss sich Sorgen über das machen, was im Irak passiert", meinte der Venezolaner am Donnerstag am Rande des 17. Welt-Erdöl-Kongresses (WPC) in der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. Ein Militärschlag könne nicht nur die Preise, sondern auch das Öl-Angebot beeinflussen. Die OPEC werde eventuell nicht in der Lage sein, eine Produktion zu garantieren, die die Nachfrage decke.

"Man weiß, wann ein Krieg beginnt, aber man weiß nicht, wie und mit welchen Folgen er zu Ende geht", sagte Calderon. Eine militärische Auseinandersetzung könne nicht nur die Öl-Lieferungen des Irak, sondern auch anderer Förderländer der Region beeinflussen. Einen Beschluss zur Erhöhung der Produktion bei der nächsten OPEC- Sitzung am 19. September im japanischen Osaka schloss Calderon indirekt aus.

Öl war nie politische Waffe

"Die Weltwirtschaft ist in ausreichendem Maße mit Öl versorgt", erklärte er. Vor dem Hintergrund des langsamen wirtschaftlichen Wachstums sei keine Erhöhung der Ölnachfrage zu erwarten. Calderon betonte, die OPEC habe "Erdöl niemals als politische Waffe eingesetzt". Das Kartell werde deshalb nicht eine Erhöhung der Produktion beschließen, um Preiserhöhungen zu begegnen, die nicht von Angebotsmangel verursacht würden, weil das auf lange Sicht die Preisstabilität gefährden könne.

Auf der selben Pressekonferenz forderte der Präsident der Internationalen Energie-Agentur (IEA), Robert Priddle, eine Senkung der Ölpreise von zur Zeit rund 26 Dollar pro Barrel (je 159 Liter) und auch eine Erhöhung der Produktion. Die IEA, der die 26 größten Ölverbraucher angehören, sei besorgt wegen der zwei nächsten Winter- Quartale der nördlichen Halbkugel. Für den Fall einer Krise habe die IEA aber eine Ölreserve von mehreren Millionen Barrel, die man den Organisationsmitgliedern in kurzer Zeit bereitstellen könnte.(APA/dpa)

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