Kolumbien: Zahlreiche Tote bei Kämpfen

9. September 2002, 15:11
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Militär meldet Tod von 151 FARC-Kämpfern - Kolumbianische ELN-Guerilla lässt zehn entführte Touristen frei

Bogota - Bei Gefechten in verschiedenen Landesteilen Kolumbiens sind in den vergangenen drei Tagen weitere 51 linke Rebellen und 3 Milizionäre sowie ein Soldat getötet worden. Das berichtete der kolumbianische Radiosender Caracol am Sonntag unter Berufung auf das Militär. Die marxistischen "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) hätten damit seit Dienstag 151 Mitglieder durch die Offensive der Streitkräfte verloren.

Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben der Militärs, die unter starkem Erfolgsdruck stehen, gab es nicht. In der Vergangenheit haben sich die Zahlen der Streitkräfte über getötete Gegner teilweise als überhöht erwiesen.

Unterdessen scheiterte der neue kolumbianische Präsident Alvaro Uribe mit einem zentralen Teil seiner politischen Reformen. Die beiden Kammern des Parlaments würden nicht wie geplant zu einer einzigen zusammengelegt, berichteten nationale Medien am Sonntag unter Berufung auf Abgeordnete. Der Konflikt hatte zu starken Spannungen zwischen dem Parlament und der Regierung geführt, die dem Kampf gegen linke Rebellen und rechte Milizen derzeit Vorrang einräumt.

Das von Uribe direkt nach seiner Amtseinführung Anfang August vorgeschlagene "Referendum gegen Korruption und Politrummel" sei abgesagt worden, sagte der liberale Senator Armando Benedetti. Geprüft werde lediglich noch, ob die Zahl der insgesamt 268 Abgeordneten und Senatoren verringert werden könnte. Uribes Projekt sah vor, eine einzige Kammer mit nur noch 120 Mitgliedern zu schaffen.

Das Parlament hat in Kolumbien einen besonders schlechten Ruf. Fast 80 Prozent der Bürger halten ihre Volksvertreter für völlig oder doch weitgehend nutzlos. Das hatte eine Umfrage nur wenige Tage vor der Parlamentswahl im März ergeben. Korruptionsaffären und Vetternwirtschaft seien die Hauptgründe für das geringe Prestige der Parlamentarier.

Knapp drei Wochen nach der Entführung einer Touristengruppe im Norden Kolumbiens hat die linksgerichtete ELN-Guerilla zehn der 27 Verschleppten freigelassen. Acht von ihnen seien auf die Luftwaffenbasis von Cali, der Hauptstadt der Provinz Valle, geflogen worden, teilte ein Regierungssprecher am Sonntag in Bogota mit. Die beiden anderen seien nach Medellin gebracht worden. Nach den Worten eines der Freigelassenen starb einer der Entführten in der Geiselhaft. Der Mann sei eine Woche nach der Entführung an Erschöpfung gestorben. Die Gruppe sei jeden Tag zu langen Fußmärschen gezwungen worden, berichtete der sichtlich erschöpfte Mann.

Die 27 Urlauber waren am 20. August im Utria-Nationalpark von Mitgliedern des Nationalen Befreiungsheeres (ELN) entführt worden. Die Freilassung eines Teils der Gruppe war nach den Worten des Gouverneurs von Valle, German Villegas, eine "humanitäre Geste" der zweitgrößten Guerillagruppe des Landes. Es habe kein Tauschangebot für ihre Freilassung gegeben. Bei einer weiteren Entführung hatten mutmaßliche Mitglieder der größten kolumbianischen Guerillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) im Bereich des Utria-Nationalparks zehn Touristen in ihre Gewalt gebracht. Die kolumbianische Armee sucht in einem Großeinsatz bisher vergeblich nach den Verschleppten.

In Kolumbien werden jährlich im Durchschnitt 3000 Menschen entführt, die meisten von ihnen von FARC und ELN. Die Guerilla finanziert damit ihren bewaffneten Kampf gegen Armee und rechtsgerichtete Paramilitärs. Seit 1964 wurden bei den Kämpfen mehr als 200.000 Menschen getötet.(APA/dpa)

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