"Affen einer Fernseh-Inszenierung"

5. September 2002, 21:03
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Grimme Institut kritisiert das Fernseh-Duell - Moderator Kloeppel hofft, "dass es beim zweiten Mal munterer zugeht"

Bei den Marler Tagen der Medienkultur in Deutschland hat das renommierte Grimme Institut massive Kritik an der aktuellen Politik im Zusammenhang mit dem Bundestags-Wahlkampf geübt. Der Leiter des Medieninstituts, Bernd Gäbler, warf den Politikern und Parteien am Donnerstag vor, ihnen sei immer noch unklar, worum es bei der bevorstehenden Bundestagswahl gehe. Zugleich betonte er zum Auftakt der Medien-Tagung, die Regierung habe keinen klaren Begriff davon entwickelt, was eigentlich das Wesentliche ihres Tuns in den vergangenen vier Jahren gewesen sei.

Zum ersten Fernseh-Duell zwischen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seinem Herausforderer Edmund Stoiber Ende Juli sagte Gäbler, beide hätten zu sich zu "Affen einer mit Hilfe ihrer ängstlichen Wahlkampfstäbe tot-choreografierten Fernseh-Inszenierung machen lassen". Die Sendung habe deswegen auch politisch wenig gebracht.

Hoffen auf das zweite Duell

Einer der beiden Moderatoren der ersten Runde, RTL-Moderator Peter Kloeppel, sagte, das Regelwerk für das erste TV-Duell sei von den Lagern der Kandidaten ausgedacht worden. "Ich hoffe, dass es beim zweiten Mal munterer zugeht", sagte er am Donnerstag in Marl.

Nicht gewollt

Er selbst habe sich ein US-Format mit freierer Nachfrage und freier Rede gewünscht. Die Kandidaten hätten das aber nicht gewollt. Bei dem Duell hatten die Moderatoren den Ansatz zu einer direkten Debatte zwischen Schröder und Stoiber unterbunden. "Die Regeln werden in vier Jahren sicherlich anders sein", sagte Kloeppel.(APA/dpa)

Marler Tage der Medienkultur

Thema: "TV-Duelle, Spin-Doktoren und Guidomobil-Medien und Politik im Wahlkampf".

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    Kanzler und Kandidat beim Duell.

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