"Soziale Dimension ausgehebelt"

5. September 2002, 20:31
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Soziologin Trallori: Popanz Gentechnik übertrifft Stellenwert der Religion

Innsbruck - Für die Wiener Sozialwissenschafterin Lisbeth Trallori nimmt das gentechnische Wissen inzwischen den Rang eines universellen Rettungsmittels ein und sei dabei, den Stellenwert der Religion zu übertreffen. Begünstigt werde dies dadurch, dass Gesundheit in der Werteskala der Menschen inzwischen an erster Stelle stehe.

Beim Zugriff von Institutionen auf die Genressourcen der Menschen, aber auch durch den Druck auf den Einzelnen, an der eigenen "Selbstoptimierung" mitzuwirken, werde die "soziale Dimension völlig ausgehebelt".

Trallori verweist auf deutsche Umfragen, wonach etwa 80 Prozent der Menschen Interesse bekunden, die Intelligenz ihrer Kinder gentechnisch verbessern zu lassen, sobald dies möglich sei.

Die Hochstilisierung des genetischen Wissens habe bereits die Relationen zwischen Genetik und medizinischer Wissenschaft verschoben, kritisiert Trallori: Krankheiten würden zunehmend unter genetischen Vorzeichen betrachtet, andere Ursachen und Heilungsmöglichkeiten zugleich ausgeblendet. (hs/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 9. 2002)

Lisbeth Trallori referiert beim Symposion der Grünen Bil- dungswerkstatt Tirol: "Die Würde des Menschen ist an- tastbar - Ethik und Biowissen- schaften" (bis 8. 9. in Maria- stein). Tel.: (0650) 435 69 24

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