Auch nach dem Sturz der Taliban kommt Afghanistan nicht zur Ruhe

5. September 2002, 19:41
posten

Heuer wurden bereits Vizepräsident Kadir und Tourismusminister Rahman ermordet

Kabul - Die Hoffnungen, nach dem Sturz der Taliban werde Afghanistan zur Ruhe kommen, waren verfrüht. Präsident Hamid Karsai entging am Donnerstag zum zweiten Mal einem Anschlag. Andere Regierungsmitglieder hatten vor ihm weniger Glück.

Am 29. Juli wurde in Kabul ein Mann festgenommen, in dessen Auto 400 Kilogramm Sprengstoff versteckt waren. Er gestand, dem Terrornetzwerk El Kaida anzugehören und den Auftrag gehabt zu haben, Präsident Karsai zu ermorden. Sollte das nicht gelingen, sollte er ersatzweise wichtige Kabinettsmitglieder wie Verteidigungsminister Mohammed Fahim töten.

Am 6. Juli erschossen zwei Angreifer Vizepräsident und Stadtentwicklungsminister Haji Abdul Kadir vor seinem Ministerium in Kabul. Auch sein Fahrer wurde tödlich getroffen. Die Täter flüchteten unerkannt mit einem wartenden Fluchtfahrzeug.

Kadir war einer der drei Stellvertreter des Präsidenten und einer der wenigen Paschtunen in der Regierung. Vor der Herrschaft der Taliban war er auch Gouverneur der Provinz Nangarhar. Er gehörte der Nordallianz an und war maßgeblich an der Vertreibung der Taliban beteiligt. Das Gouverneursamt hatte er auch nach der Vertreibung der Taliban wieder übernommen.

Am 14. Februar war der Luftfahrt- und Tourismusminister Abdul Rahman am Kabuler Flughafen ermordet worden. Er fiel nach den Erkenntnissen der Regierung einem Komplott hoher Staatsbediensteter zum Opfer. Es sei eine persönliche Affäre aus der Zeit des Widerstands gewesen, sagte Karsai. Drei Verschwörer, darunter ein Richter des Obersten Gerichts, konnten nach Saudi-Arabien fliehen; vier andere hohe Funktionäre wurden festgenommen. Zunächst hatte es geheißen, wütende Pilger, die seit Tagen bei eisigen Temperaturen auf ihren Flug nach Mekka warteten, hätten den Minister erschlagen.

Dagegen entging im April Verteidigungsminister Mohammed Fahim in Jalalabad einem Bombenanschlag. Fünf Menschen starben damals. 53 Menschen erlitten Verletzungen, unter ihnen Schulkinder, die zur Begrüßung Fahims an den Talashi-Platz in Jalalabad gebracht worden waren. Zu dem Bombenanschlag bekannte sich das Terrornetzwerk El Kaida von Osama bin Laden.

Kurz zuvor hatten Unbekannte in Kabul zwei Raketen in Richtung des Lagers der internationalen Schutztruppe ISAF abgefeuert. Das Bundesverteidigungsministerium in Berlin ging aber nicht von einem Angriff auf die Schutztruppe aus, zu der auch deutsche Soldaten gehören. Die ISAF fand nach eigenen Angaben vier weitere Raketen an einer Startvorrichtung.

Share if you care.