Ärzteteam entwickelte neuartige Operationstechnik für Ungeborene

5. September 2002, 19:20
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Kindern mit einem Zwerchfellbruch könnte künftig das Leben gerettet werden...

Löwen - Ein internationales Ärzteteam hat eine neue Operationstechnik für ungeborene Babys entwickelt, die Kindern mit einem Zwerchfellbruch das Leben retten kann. Die bereits mehrfach angewendete Schlüsselloch-Operation mit Hilfe eines Endoskops bedeute eine großen Fortschritt in der pränatalen Kinderchirurgie, teilte die belgische Universitätsklinik Löwen am Donnerstag mit. Die Ärzte aus Belgien, Großbritannien und Spanien hätten bisher acht solcher Eingriffe vorgenommen, drei der behandelten Kinder seien bereits gesund auf die Welt gekommen.

Bei einem Zwerchfellbruch können Baucheingeweide in den Brustkorb gleiten und die Entwicklung der Lunge behindern. Etwa 30 Prozent der betroffenen Babys sterben den Angaben zufolge sofort nach der Geburt oder kurze Zeit später, weil sie nicht selbstständig atmen können.

Auch noch während der Geburt möglich

Bei den Eingriffen in der Gebärmutter setzten die Chirurgen über den Mund der Babys einen Katheter in die Luftröhre ein, in dem sich ein winziger Latexballon befindet. Dieser wird aufgeblasen, um das Wachstum der Luftröhre zu fördern. Wenn mittels Ultraschall sichergestellt ist, dass die Lunge hinreichend entwickelt ist, wird der Ballon wieder entfernt. Dies sei auch noch während der Geburt bei einem Kaiserschnitt möglich, hieß es weiter.

Ein Zwerchfellbruch kann heute bei einer Ultraschalluntersuchung bereits frühzeitig entdeckt werden. Eine komplizierte Operation des Fötus, bei der Bauch und Gebärmutter der Mutter geöffnet werden müssen, sei mit dem neuen Verfahren nicht mehr erforderlich. Es werde lediglich ein drei Millimeter langer Schnitt in der Bauchdecke der Mutter nötig, durch den das Endoskop geschoben werde.

Damit könne auch auf eine Vollnarkose verzichtet werden. Wenn sichergestellt sei, dass die Lunge des Embryos dank der neuen Technik wachse, könne die Mutter ein bis zwei Tage nach dem Eingriff das Krankenhaus wieder verlassen, teilte die Uniklinik in Löwen weiter mit. (APA/dpa)

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