Um den Beachvolleyball-Platz

5. September 2002, 19:09
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In Burgenlands Gemeinden gibt es erstmals sechzehnjährige Wähler

Eisenstadt - Die burgenländischen Gemeinderatswahlen am 6. Oktober sind die ersten flächendeckenden Wahlen, bei denen schon Sechzehnjährige zum Kreuzerlmachen aufgerufen sind. Was die Parteien vor neue Herausforderungen stellt. Immerhin sind das sech- bis siebentausend neue Wähler, rund drei Prozent der Wahlberechtigten, ein Waagenzünglein, das in etwa zehn Gemeinden wahlentscheidend sein kann. Aber wie die Jungen ansprechen, ohne sie gleich zu vergraulen?

Themen gäbe es allerhand. Spontan aufgezählt, ergeben sich bemerkenswerte parteipolitische Unterschiede. FP-Geschäftsführer Norbert Hofer nennt ein Beispiel: "Beachvolleyball-Platz." Grünen-Chefin Grete Krojer ein anderes: "Beachvolleyball-Platz." VP-Chef Franz Steindl dagegen: "Beachvolleyball-Platz." Während SP-Chefstratege Norbert Darabos sagt: Beachvolleyball-Platz." Einig sind sich die Parteien nur darin: "Mit Parteipolitik braucht man den Jungen nicht zu kommen", sagt Franz Steindl, und die anderen stimmen ihm vorbehaltlos zu.

Das habe nichts mit mangendem Engagement zu tun. Im Gegenteil. Nur lasse sich das Engagement der Jungen nicht in traditionelle Parteibahnen lenken. Norbert Darabos sieht sogar die Chance, die alten Parteistrukturen nachhaltig aufzubrechen. "Früher war es für einen Jungen unmöglich, wählbar platziert zu werden. Da haben die Alten immer gefragt: Hat der auch schon genügend Zettel ausgetragen?" Und für Norbert Hofer sind die Jungen überhaupt der Angelpunkt, das rotschwarze Proporzsystem aufzubrechen: "Mit 16 ist man da noch nicht so drinnen, ist freier in seinen Entscheidungen."

Alle Parteiortsgruppen - mit Ausnahmen der "Problemgemeinden" (Darabos) - haben Junge und Jüngste wählbar gereiht. Und vermeiden so den peinlichen Wahlkampfkontakt mit den uncoolen Alten. Norbert Darabos zitiert einen einst coolen Alten, wenn er die Annäherungsversuche nicht nur der SPÖ beschreibt: "Wir machen den Jungen das Angebot, ein Stück des Weges mit uns zu gehen." Alle Umfragen meinen, die Jungen würden das am liebsten mit den Grünen tun. Und wenn man Grete Krojer fragt, warum das so ist, so meint die Gymnasiallehrerin: "Der Kleidercode ist ein anderer. Bei uns kann man auch in Latschen daherkommen." (wei/DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2002)

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