Philharmonische Volltreffer

5. September 2002, 19:42
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"Klangbogen"-Finale: Strauss und Strawinsky

Wien - Der letzte Schuss, der von Wiens sommerlichem Klangbogen wegschnellte, ging jedenfalls voll ins Schwarze. Die Wiener Philharmoniker haben, wenn auch mit einem B-Liga-Programm, ein brillantes, vom Publikum zu Recht enthusiastisch bejubeltes A-Liga-Spiel abgeliefert, mit dem sie sich, ginge es um einen solchen, auch mühelos den Weltmeistertitel geholt hätten.

Gecoacht und angeführt von Mariss Jansons haben sie den ebenso überraschenden wie schlagenden Beweis erbracht, dass eine Interpretation an sich zum Kunstereignis werden kann. Und dies auch, wenn das Werk, dem sie gilt, nicht zwingend als erste Sahne bezeichnet werden muss.

Was im Falle des symphonischen Monsters Don Quixote und mehr noch im Hinblick auf die erste Walzerfolge aus dem Rosenkavalier bei allem Respekt vor Meister Richard Strauss und mit aller Einsicht in die alte Weisheit, dass Geschmäcker eben verschieden sind, wohl gesagt werden darf. Ebenso wie es auch in Igor Strawinskys zweiter Feuervogel-Suite das hohe Raffinement des funkelnden Orchesterornats ist, das dieses Werk nun schon über neun Jahrzehnte zum erfolgssicheren Konzertschlager macht.

Jedenfalls hörte sich dieser ganze Abend so an, als handle es sich bei der Partnerschaft der Philharmoniker mit Mariss Jansons um keine aus pekuniären Gründen eingegangene Vernunftehe auf Zeit, sondern um eine tiefe Dauerbeziehung mit Ergebnissen von steigendem Belang.

Vor allem im Verlauf des Don Quixote verdichtete sich die Intensität des Ausdrucks - nicht zuletzt durch Franz Bartolomeys Einwürfe auf dem Solocello und jene von Christian Fohn von der Viola aus - zu einer Art von beinahe schon stofflich greifbarer Dichte, wie man dies nur aus den besten Momenten dieses Orchesters mit Leuten wie Otto Klemperer oder auch Herbert von Karajan in unauslöschlicher Erinnerung hat. Was nicht heißen soll, dass die legitim heurigenseligen rhyth- mischen Dehnungen und dynamischen Kontraste in den Rosenkavalier-Walzern nicht minder begeisternd glückten.

Und die bunte Pracht des Feuervogels in all ihrer Lyrik und auch in ihrer bizarren Heftigkeit versetzte das Publikum zum Abschluss in einen wahren und verständlichen Begeisterungstaumel. (vuji/DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2002)

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