Ein Theaterkonzern strotzt vor Gesundheit

5. September 2002, 19:06
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Die Privat Bank AG sponsert die Bundestheater

Wien - Das Sacher als Ort der Pressekonferenz war taktisch gut gewählt: Die Fassadenwerbung der Privat Bank AG auf der Rückseite der Staatsoper musste jedem Besucher ins Auge springen. Damit ist das Wichtigste bereits gesagt: Das Raiffeisen-interne Konkurrenzunternehmen zum Bankhaus Kathrein ist ab nun ein "Kooperationspartner" der Bundestheaterholding.

Als Gegenleistung für eine Summe X, die Holdingchef Georg Springer partout nicht nennen wollte, wird es auf der neu gestalteten Homepage der Bundestheater einen direkten Link zu dieser Privatbank geben. Allerdings öffnet das Internetportal erst am 26. September seine Pforten. Was wieder eine Pressekonferenz notwendig macht. Mit einer anderen als der vorgesehenen Beginnzeit: Weil es sich der an neuen Medien interessierte Kunststaatssekretär, so Springer, nicht nehmen lasse, persönlich anwesend zu sein.

Das angekündigte Resümee über die ersten drei Jahre der ausgegliederten Bundestheater fiel denkbar knapp aus: Springer meinte, man hätte den "Fitnesstest hervorragend bestanden". Obwohl das Geschäftsjahr mit 31. August endete, sah er sich nicht in der Lage, aktuelle Zahlen zu nennen. Die Bilanzen müssen erst erstellt und geprüft werden. Was eine Pressekonferenz im Jänner notwendig macht.

Trotz aller Fitness dürfte der Theaterkonzern aber bald kränkeln. Weil der Personalaufwand im Gegensatz zur fixen Basisabgeltung (134 Millionen Euro) permanent gestiegen sei - in den letzten drei Jahren von 142 auf 148 Millionen Euro. Springer fordert daher vehement eine Anhebung der Basissubvention. Zudem müssen Burgtheater, Volks-und Staatsoper ab August 2004 nicht mehr die TheaterservicegmbH mit dem Anfertigen von Kostümen und Bühnenbildern beauftragen. Um dieser, Art for Art getauft, das Überleben zu sichern, will die Holding 49 Prozent der Anteile den Bühnengesellschaften übertragen. (trenk/DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2002)

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