Radikalreform der Altersteilzeit

5. September 2002, 19:30
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Höheres Antrittsalter - Einstellung von Ersatzkräften - Kampf dem Missbrauch

Wien - Eines der zentralen Vorhaben von Wirtschafts-und Arbeitsminister Martin Bartenstein, das im nächsten Jahr helfen soll, mehr als 70 Mio. Euro einzusparen, ist die von Wirtschaftsforschern zuletzt dringend empfohlene Reform der so genannten Altersteilzeit. Im Kern will und muss Bartenstein den Übertritt in die Altersteilzeit massiv erschweren, denn die Kosten sind heuer durch 23.000 Nutznießer dieses Modells auf bereits mehr als 300 Millionen Euro regelrecht explodiert.

Mit vier Maßnahmen soll diesem Trend entgegengesteuert werden, in bestehende Verträge wird aber nicht eingegriffen, sagte Bartenstein. Auch für ältere Beschäftigte, die die Altersteilzeit nutzen wollen, soll im kommenden Jahr die letzte Pensionsreform nachvollzogen werden. Das bedeutet, dass das Eintrittsalter in dieses Modell um je eineinhalb Jahre für Frauen auf 51,5 Jahre und für Männer auf 56,5 Jahre angehoben wird. Bisher konnten beispielsweise Männer mit 55 in Altersteilzeit gehen, die Arbeitszeit reduzierte sich auf 50 Prozent, der Lohn aber nur auf 80 Prozent. Die Lohndifferenz teilten sich Betrieb und Arbeitsmarktservice.

Arbeitszeit blocken

Als zweiten Reformpunkt nannte der Minister das Verbot der bisherigen Möglichkeit, Arbeitszeit zu blocken, um zweieinhalb Jahre Vollzeit zu arbeiten und danach zweieinhalb Jahre - obwohl eigentlich in Altersteilzeit - gar nicht mehr arbeiten zu müssen. Darüber hinaus wird wieder die Notwendigkeit für den Arbeitgeber eingeführt, Ersatzkräfte einzustellen, für Mitarbeiter, die die Altersteilzeit nutzen wollen. Nur dann werde es auch in Zukunft eine Kofinanzierung der Kosten für die Altersteilzeit von Betrieb und Arbeitsmarktservice geben, sagte Bartenstein. Werde keine Ersatzkraft eingestellt, würden die AMS-Zuschüsse "deutlich reduziert".

Als vierten Punkt nannte der Wirtschaftsminister gegenüber dem STANDARD den Kampf gegen Missbräuche der Altersteilzeit. Nur wer in den letzten sechs Monaten auf Vollzeitbasis gearbeitet habe, dürfe danach in die Altersteilzeit wechseln. Es habe in der Praxis Fälle gegeben, wo Teilzeitbeschäftigte kurzfristig auf Vollzeit hochgestuft wurden, nur damit der Betrieb in den vollen Genuss der Förderungen gelangte. (miba, DER STANDARD, Printausgabe 6.9.2002)

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