Judo: Nationaltrainer Spijkers endgültig gefeuert

5. September 2002, 17:41
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"Das Ganze ist eine große Intrige gegen mich"

Wien - Der Vorstand des Österreichischen Judoverbandes (ÖJV) hat bei seiner Sitzung am Mittwochabend beschlossen von einer Wiederaufnahme Ben Spijkers' als Judonationalteamtrainer der Herren Abstand zu nehmen. Dies teilte der ÖJV in einer offiziellen Pressemitteilung am Donnerstag mit. Damit wurde die Entlassung des Niederländers vom ÖJV-Vorstand endgültig bestätigt.

"Märchen"

Spijkers war als Coach entlassen worden, weil er laut ÖJV eine Dienstanweisung nicht befolgt hatte. Der Trainer, der diese und weitere Anschuldigungen wie unentschuldigtes Fernbleiben bei Trainings im Reich der "Märchen" ansiedelt und vehement bestreitet, glaubt, dass er entlassen wurde, weil man im neuen System mit mehreren lokalen Trainern in den Bundesländern auf die Dienste eines Nationalteamtrainers verzichten wolle.

Seisenbacher frustriert?

"Ich habe bereits rechtliche Schritt in die Wege geleitet, denn das Ganze ist eine große Intrige gegen mich, die von meinem früheren Konkurrenten Peter Seisenbacher ausgehen dürfte. Er ist scheinbar frustriert, weil er nicht Nationaltrainer der Herren geworden ist", erklärte Spijkers, der von der APA vom Vorstandssitzungsbeschluss des Vorabends erfuhr. "Es wundert mich, dass die Presse vor mir informiert wird."

Spijkers betonte weiters, dass der ÖJV ihm bereits eine Abfindung von "25.000 Euro geboten" habe, falls er auf ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht verzichten sollte. "Das habe ich sogar schriftlich, außerdem steht in diesem Schreiben, dass man auch zu weiteren Eingeständnissen bereit ist. Der Verband weiß also, dass er einen Fehler gemacht hat, denn ich wurde vor der Entlassung nicht einmal mündlich abgemahnt, dass ich irgendeine Arbeitsanweisung nicht befolgt hätte. Ich habe je nicht einmal Arbeitsanweisungen erhalten. Man konnte mich also überhaupt nicht auf Basis von Arbeitsverweigerung entlassen."

"Sozialleben aufs Spiel gesetzt"

"Ich stehe also voll im Recht, und ich glaube, dass wird auch jeder Arbeitsrichter so sehen. Deshalb werde vor Gericht gehen, denn ich habe einen Vertrag bis 31. Dezember 2004 als Nationaltrainer gehabt und deshalb mein ganzes Sozialleben aufs Spiel gesetzt, weil ich ja von Holland, wo ich einen sehr guten Job hatte, nach Österreich umgezogen bin."

Doch mit Gehaltszahlungen für die verbleibende Zeit bis zum Auslaufen seines Vierjahresvertrags wird sich Spijkers nicht zufrieden geben. "Ich fordere auch Schadenersatz. Schließlich habe ich international einen angesehen Namen, den mir der Österreichische Verband mit seinen unbegründeten Anschuldigungen kaputt zu machen versucht."

Rückkehr nach Holland

Das Schlimmste an dieser "Schmutzwäsche-Kampagne" gegen seine Person sei für ihn aber die Tatsache, dass die von ihm trainierten Athleten nun den mit ihm eingeschlagenen Weg - "Ich habe als österreichischer Nationaltrainer bei den Herren die besten Ergebnisse seit mehr als einem Jahrzehnt erreicht" - nicht mehr gehen können. "Das ist für mich der größte Verlust, denn ich werde, sobald das Gerichtliche geregelt ist, wieder nach Holland zurückgehen. Dort sind meine Jungs, die ich hier betreut habe, natürlich jederzeit willkommen. Ich habe ihnen bereits gesagt, dass sie dort bei mir weiter trainieren können."

Österreichs Doppel-Olympiasieger und ÖJV-Vorstandsmitglied Seisenbacher wies gegenüber der APA die Vorwürfe von Spijkers entschieden zurück: "Ich habe überhaupt keine Lust, die Funktion des Herren-Nationaltrainers auszuüben, denn ich bin schon sehr engagiert in einem anderen Bereich sowie im Wiener Judo tätig und mit dieser fixen Position voll ausgelastet." (APA)

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