Weniger Drogentote - Nein zu Liberalisierung

5. September 2002, 17:37
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Das Jahr 2000 sei mit 227 Drogentoten "wahrscheinlich ein Ausreißer" gewesen - Im Vorjahr starben 184 Menschen am Suchtgiftkonsum...

Wien - Die Zahlen vom Jahr 2000 hatten alle aufgeschreckt, schließlich war die Zahl der Drogentoten im Vergleich zum Jahr davor um 73 angestiegen. Jetzt haben wir, sagt Gesundheitsstaatssekretär Waneck, wieder ungefähr das Niveau vom Jahr 1999 erreicht, trotzdem bestehe "kein Grund zur Entwarnung".

Im Bundesländervergleich steigt Wien besonders gut aus

Im Bundesländervergleich steigt Wien besonders gut aus. Erstmals kommen weniger als die Hälfte jener, die direkt an Suchtgift starben, aus der Bundeshauptstadt. In den übrigen Bundesländern sind die Zahlen annähernd gleich geblieben, nur in der "zweitgrößten Problemzone" Vorarlberg stieg die Zahl der Drogenopfer. Die Ursache könnte, vermutet Waneck, in der "versteckt liberalen" Drogenpolitik im Nachbarland Schweiz liegen.

84 Prozent der Drogentoten waren männlich

In absoluten Zahlen starben in Wien 85, in Vorarlberg 17, in Tirol 16, in der Steiermark elf, in Salzburg sieben, in Oberösterreich und Niederösterreich je 20, in Kärnten acht Menschen direkt oder indirekt an Suchtgift. Im Burgenland gab es keinen Drogentoten. 84 Prozent der Drogentoten waren männlich.

Opiatvergiftungen sind seit 1996 kontinuierlich rückläufig

Auffallend sei, so Waneck, dass die Zahl der Opiatvergiftungen seit 1996 kontinuierlich rückläufig sei. Dafür sterben immer mehr Menschen an einer Mischung aus illegalen Drogen, Alkohol und Psychopharmaka, da hier offenbar eine "große Gefahr für tödliche Komplikationen" bestehe.

Drogencheck

Sollten nun Süchtige ihren "Stoff" testen lassen können, wie das bei einem Drogengipfel im Wiener Rathaus am Montag vorgeschlagen wurde? Das, sagt Waneck, sei der falsche Weg. Und überhaupt müsse immer die Therapie im Vordergrund stehen. Im Rahmen dieser sei dann "alles erlaubt". Denn ein Drogensüchtiger sei, sagt der FP-Politiker, krank. Man müsse das genauso sehen, "wie wenn ich einem schwer Krebskranken Opiate verabreiche".

Aus diesem Grund will Waneck auch Wiens Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SP) nicht offen kritisieren, die sich sogar die Einrichtung von Räumen vorstellen kann, in denen Suchtgift konsumiert werden darf. Pittermann, sagt Waneck, sei "eine sehr mitfühlende Frau", die primär "ärztlich" denke. Die Drogenpolitik in der Bundeshauptstadt Wien sei jedoch "suboptimal", was aber nicht Pittermann anzulasten sei. Dafür sei sie noch nicht lange genug dabei.

Wiens guter Weg

Die Gesundheitsstadträtin selbst betont, "dass Wien auf einem guten drogenpolitischen Weg ist". Pittermann: "Wir werden den erfolgreichen, pragmatischen Weg der Wiener Drogenpolitik unbeirrt fortsetzen und uns nicht auf ideologische Grabenkämpfe einlassen."

Wiens Drogenkoordinator Peter Hacker verweist darauf, dass in Wien die Zahl der Drogentoten um 40 Prozent zurückgegangen sei. Wenn man nun Wien herausrechne, dann sei in den anderen Bundesländern ein Zuwachs um 20 Prozent zu verzeichnen. Doch das sei lediglich ein Indikator für das Ausmaß der Suchtgiftproblematik. (Bernadette Damböck, DER STANDARD Printausgabe 6.9.2002)

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