Staunen und Schweigen

6. September 2002, 11:21
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EU nimmt Österreich nicht mehr ernst - Cohn-Bendit: Kein Kommentar zum "Affentheater"

Man ist bestens informiert, will sich aber mit der ganzen Angelegenheit nicht mehr ernsthaft befassen. Für etliche europäische Politiker sind die Vorgänge in Österreich nämlich schlicht nicht mehr nachvollziehbar. Sie lösen nur mehr Kopfschütteln oder bestenfalls nicht ganz ernst gemeinte Anmerkungen aus. Selbst die Frage, welche Reaktionen der Eintritt von Jörg Haider in die Regierung, wie es ihm Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer mehrmals vorgeschlagen hat, auslösen würde, kommentieren die Abgeordneten des Europäischen Parlaments stoisch.

"Meine Kristallkugel ist nicht besser als die ihre", erklärt Colette Flesch (Fraktion der Liberalen; ELDR) im Gespräch mit dem STANDARD. Ob es zu Reaktionen komme, hänge vom Verhalten der Regierung ab. Aus dem Büro des ehemaligen EU-Kommissionspräsidenten Jacques Santer (Volksparteien) heißt es: "Das ist eine innerstaatliche Angelegenheit."

Martin Schulz (Europäische Sozialdemokraten) erwartet keine Reaktion der Union. Sein Fraktionskollege Hannes Swoboda befürchtet, dass Österreichs Einfluss in der EU weiter schwinden würde.

"Die Union wird nichts mehr machen. Die Österreicher müssen wissen, was sie tun", meint der Grüne Reinhold Messner. Von seinem Fraktionskollegen Daniel Cohn-Bendit wird die wohl treffendste Bemerkung übermittelt: Das sei ein Affentheater, das er nicht kommentieren wolle. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2002)

Von Katharina Krawagna-Pfeifer aus Straßburg
  • Daniel Cohn-Bendit staunt und schweigt über das "Affentheater"
    montage: derstandard.at (foto: standard/cremer)

    Daniel Cohn-Bendit staunt und schweigt über das "Affentheater"

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