Machtgeplänkel mit Killerphrasen

3. Oktober 2002, 15:21
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Sind die Grundmuster verbaler Übergriffe einmal durchschaut, ist auch ihre destruktive Wirkung entkräftet - Teil 8

In der abendländischen Kultur perfektioniert ist das Grundmuster „Macht durch schlechtes Gewissen“. In Meetings eignet sich das hervorragend, Argumentationen zu stoppen, auch wenn sachlich nichts einzuwenden ist. Kleine Mängel werden verallgemeinert und münden in einem „Das ist ja völlig falsch“, „Du machst ja immer“ oder „So lässt sich das nicht umsetzen“. Womit auch schon das sicherste Kennzeichen destruktiver Kommunikation identifiziert ist: Sie verallgemeinert und pauschaliert.

Als Gegenstrategie zu derlei Killerphrasen bewährt, hat sich das konkretisierende Hinterfragen. Darin unterscheidet sich, ob es sich um einen (berechtigten) Einwand handelt, wo es gilt den konkreten Lösungsansatz zu finden, oder auch nur um einen vorgeschützten Vorwand.

Lachen ist die beste Verteidigung

Hofnarren haben die entwaffnende Wirkung wertschätzenden Humors kultiviert. Gerade in schwierigen Gesprächssituationen erweitert dies das Handlungsrepertoire. Lachen bringt die wohltuende Distanz. Neben der humorvollen Überhöhung ins Absurde kann aber auch das Anlegen einer "Killerphrasensammlung" verblüffende Wirkung zeigen: Aus einer Frechheit wird so ein bereicherndes Prachtexemplar kreativer Destruktivität. „Haben Sie etwas dagegen, wenn ich das in meine Killerphrasensammlung aufnehme?“ ist eine Antwort, mit der Ihr Vis-á-vis sicher nicht gerechnet hat. Andererseits gibt ein gelangweiltes „Das habe ich schon so oft gehört, das schreibe ich nicht mehr auf“ den erforderlichen Abstand, um kühlen Kopf zu wahren. Und müssen Sie berufsbedingt auch zu Präpotenten freundlich sein, können Sie mit KollegInnen und Gleichgesinnten die Wahl zum „Ungustl“ des Monats vereinbaren. Je schlimmer der verbale Übergriff, desto höher Ihre Chance, mit Ihrem Unikum zu gewinnen. Die BeobachterInnen-Position ist ein guter Schutz, Angriffe persönlich zu nehmen.

Angriff auf die "Kleinen Schwächen"

Ein Kennzeichen untergriffiger Kommunikation ist auch, dass just jene Aspekte zu Angriffen genutzt werden, wo man selbst mit sich unzufrieden ist. Da konfrontiert man die Frau, die sich mit der Tücke der Details plagt, mit dem Vorwurf, sie sei oberflächlich, die Kollegin, die lieber gelassener wäre, sie sei Perfektionistin und übergenau. Da hilft nur eines: Sich mit sich selbst und seinen „Schwächen“ auszusöhnen. Schafft man den Schwenk von Wertungen zu Funktionalitäten, so können durchaus aus Mängeln Potenziale werden: Wenn eineR den Überblick wahrt und der/die andere Verlässlichkeit bis ins Detail einbringt, steht gemeinsamen Erfolgen nichts mehr im Weg! Voraussetzung dafür, dass beide mit ihren jeweiligen Stärken zu gemeinsamen Zielen beitragen können, ist allerdings gegenseitiges Verständnis und Respekt.

Vorsicht, Rechtfertigungsfalle

Paradoxerweise funktioniert auch das Gegenteil: Nicht nur die persönlichen Schwächen, auch die persönlichen Vorlieben und Ideale sind Angriffsfläche für destruktive Kommunikation. Steht Toleranz hoch im Kurs, so wirkt eine Killerphrase wie „Sie sind so engstirnig und lassen nur Ihre Meinung gelten“ doppelt. Groß ist da die Versuchung, in die Rechtfertigungsfalle zu tappen. Erst einmal darin gefangen, hat man auch selbst die sachlichen Ziele aus dem Auge verloren. Und wieder einmal ist die Rechnung des Gegners aufgegangen. Die alternative, intuitive Reaktion des Gegenangriffs - „Sie müssen was sagen, Sie sind ja selbst....“ - führt unweigerlich zum Kampf, in dem auf jeden Fall eines verloren geht: Der Blick für gemeinsame Lösungen. Hier gilt es also, gewohnte Verhaltensmuster zu verlassen. Gelingt es, derartige Angriffe – einmal durchschaut - zu ignorieren oder in Schranken zu weisen - mit z.B. „Das tut hier nichts zur Sache“ oder auch „Ich verbitte mir den Ton“ - hat die Rückkehr auf die Sachebene eine Chance.

Watzlawick für Notfälle

In kommunikativen Notfällen ist auch das Zitat von Paul Watzlawik ein guter Begleiter: „Was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul.“ Die verblüffende Wirkung von Verbal-Attacken ist entkräftet, wenn Sie hinter dem Monster die menschlichen und sachlichen Bedürfnisse des Gesprächpartners entdecken.

Eine Killerphrasensammlung und Trainings zum Entkräften finden Sie zum Beispiel unter www.impuls.at.

Gastautorin Monika Herbstrith ist Unternehmens-
beraterin und Geschäftsführerin ihres Consulting-
Unternehmens "Impuls&Wirkung".
In ihrer monatlichen Kolumne unterstreicht sie die wertvollen Fähigkeiten, die Frauen in Unternehmen mitbringen können - wenn man sie nur lässt.

Kontakt:
wirkung@impuls.at

impuls.at

  • Killerphrasen fressen Zwischentöne und pauschalisieren.
    screenshot pacman: redaktion
    Killerphrasen fressen Zwischentöne und pauschalisieren.
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