100 Millionen Euro für qualifizierte Frauen

5. September 2002, 14:50
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Prammer fordert Rechtsanspruch für berufliche Ausbildung - Rauch-Kallat kontert umgehend

Wien - Eine Qualifizierungsoffensive im Umfang von 100 Millionen Euro für junge Frauen und Wiedereinsteigerinnen, sowie einen Rechtsanspruch auf Qualifizierung für eine fundierte berufliche Ausbildung forderten SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer und SPÖ-Bundesfrauensekretärin Bettina Stadlbauer am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Die Situation der 19- bis 24-jährigen Frauen, insbesondere der schlecht qualifizierten Frauen, und der weiblichen Lehrstellensuchenden, sei dramatisch. Der Bundesregierung sei dies aber nicht mehr als einen Halbsatz wert, erklärte Prammer.

Die ÖVP-Frauenchefin Rauch-Kallat hingegen konterte daraufhin mit einer Presseaussendung, in der sie auf die Arbeitsmarktpolitik von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein einging. Diese setze einen wesentlichen Schwerpunkt auf Frauen, obwohl diese "nur zwei Fünftel der arbeitslos gemeldeten Bevölkerung ausmachen

Mittel für Arbeitsmarktpolitik werde für Budget abgezogen

"Die Regierung hat über weite Strecken versagt, Arbeitsmarktpolitik hat nicht stattgefunden, die Mittel dafür werden für das Budget abgezogen" übte Prammer heftige Kritik an der Regierungspolitik, die zu nahezu 200.000 Arbeitslosen im Sommer geführt habe. "Während fast 200.000 Menschen arbeitslos sind und dringend auf Maßnahmen der Regierung warten, führt diese ein Theater auf, das an Skurrilität nicht mehr zu überbieten ist."

Das Verhalten der Regierung sei laut Stadlbauer "ignorant und menschenverachtend": Die FPÖ reagiere überhaupt nicht auf die Situation am Arbeitsmarkt, weil sie nur mit sich selbst beschäftigt sei, und die ÖVP übe sich entweder in Schönreden oder fordere die Lockerung des Berufsschutzes. Dies würde eine Qualifizierungsspirale nach unten eröffnen.

Hälfte der arbeitslosen Frauen nur mit Pflichtschulabschluss

Fast die Hälfte der arbeitslosen Frauen hat nur einen Pflichtschulabschluss. "Diesen jungen Frauen wollen wir eine zweite Chance geben", so Prammer. Ein sechswöchiger Computerkurs reiche hier nicht, notwendig sei eine fundierte Ausbildung im Sinne zukunftsorientierte Berufsmöglichkeiten, die auch zwei bis drei Jahren dauern müsste. "Das geht nicht zum Nulltarif", so Prammer. Die von Wirtschaftsminister Bartenstein in Aussicht gestellten 100 Millionen Euro für Lehrgangsplätze sind aus Sicht der SPÖ-Frauen nicht ausreichend: Die Schaffung von Lehrgangsplätzen sei nämlich nur eine kurzfristige Maßnahme, weil diese auf 18 Monate begrenzt sei. Das Problem werde dadurch nur hinausgeschoben. "Lehrgangsplätze können nicht eine qualitätsvolle Lehrlingsausbildung ersetzen", so Stadlbauer.

Forderungen der SPÖ-Frauen

Die SPÖ-Frauen fordern den flächendeckenden Ausbau der Frauen- und Mädchenberatungsstellen. Diese sollen helfen, den Zugang zu besser bezahlten, qualifizierten Berufen zu erleichtern. Weitere Forderungen: ein flächendeckendes Netz an Kinderbetreuungseinrichtungen mit besonderem Augenmerk auf die unter Dreijährigen; ein partnerschaftliches Modell zur Kinderbetreuung mit einem Rechtsanspruch auf Teilkarenz; Ausbau der Berufsorientierung; Schaffung eines Lehrlingsfonds, um eine Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben herzustellen.

Stadlbauer präsentierte im Rahmen der Pressekonferenz eine Kampagne der SPÖ-Frauen, die arbeitslose Frauen Mut machen soll, auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Mit eigens dafür gestalteten Postkarten sollen sich die Frauen an Kanzler Schüssel und Minister Bartenstein mit der Forderung "Arbeitsplätze statt Abfangjäger" richten.

(red)

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