Befürchtete Ölkrise blieb aus

5. September 2002, 13:50
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Nachfrage eingebrochen - Politische Sorgen schlagen sich erst seit März auf Ölpreis nieder

Wien - Es hätte die schlimmste Energiekrise seit den 70ern werden können. Was kam, war jedoch das Gegenteil: Die Terroranschläge in den USA am 11. September 2001 haben den Ölpreis auf Talfahrt geschickt. Nach einem kurzen Anstieg unmittelbar nach dem Anschlag brach der Ölpreis in weiterer Folge binnen weniger Tage um mehr als ein Drittel von über 27 auf knapp unter 20 Dollar das Fass (159 Liter) ein, um in weiterer Folge bis Mitte November auf ein Zweieinhalb-Jahrestief von 15,85 Dollar zu rasseln. Der Grund: Nach den Anschlägen und der anschließenden Konjunkturflaute ist die Nachfrage massiv eingebrochen.

"In den ersten Stunden war der Markt von zwei Reaktionen geprägt: Auf der einen Seite die Kriegsangst, die den Preis in die Höhe treibt, auf der anderen Seite die mittelfristig schlechten Konjunkturaussichten, die zu niedriger Nachfrage und damit zu sinkenden Preisen führen. Offensichtlich ist die zweite Reaktion vor der ersten gekommen", erläuterte Öl-Experte Johannes Benigni von der PVM Oil Associates die Entwicklung.

Ökonomische Probleme

Nach Ansicht des Energie-Brokers war relativ rasch absehbar, dass die Anschläge zu ökonomischen Problemen führen würden. Die drohende Rezession ließ den Ölbedarf sinken. Dazu kam eine stark gesunkene Nachfrage nach Kerosin aus der Luftfahrt. Allein in den USA ist die Zahl der Flugpassagiere kurz nach den Anschlägen um 20 Prozent zurückgegangen. Der US-Militärschlag in Afghanistan wirkte sich hingegen nicht auf den Öl-Preis aus.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) beschränkte sich zunächst auf die Zusicherung, Versorgungsengpässe auszugleichen. Eine Erhöhung der Fördermengen unmittelbar nach dem Anschlag hätte - so die Befürchtungen des Kartells - einen Preiskollaps am Ölmarkt bewirken könnte. Auch an eine Verkürzung kam damals aber nicht in Frage, weil dies wiederum zu einem Preisausschlag nach oben führen hätte können.

Erst Ende Dezember - ein Vierteljahr, nachdem der Ölpreis unter das von der OPEC angepeilte Preisband zwischen 22 und 28 Dollar gefallen war - reagierte das Kartell: Die Ölförderung wurde um zwei Millionen Barrel täglich gekürzt. Mit der anhaltenden Konjunkturschwäche blieb die Erdölnachfrage zu Jahresbeginn vorerst jedoch weiter extrem gering, der Ölpreis reagierte vorerst kaum auf die Fördermengenkürzung.

Erst Anfang März kletterte der Ölpreis wieder über die kritische 22-Dollar-Marke - getrieben durch die Angst vor einer militärischen Intervention der USA im Irak. Trotz anhaltender Konjunkturschwäche begann nun die politische Sorge überhand zu gewinnen. Nun, da die Pläne der USA für einen Angriff auf den Irak immer konkreter werden, droht der Ölpreis nach oben auszubrechen. (APA)

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