"Hohe Steuern und zuviel Bürokratie"

6. September 2002, 17:29
2 Postings

US-Unternehmen haben an Österreich einiges auszusetzen - IBM-Österreich-Chef Nonhoff: Nach EU-Erweiterung wird Standortwettbewerb für Wien härter

Wien - Die rund 370 US-Unternehmen mit Direktinvestitionen in Österreich schätzen das Land als sicheren Standort mit hoher Lebensqualität, bemängeln aber zu hohe Steuern und zu viel Bürokratie. Dies ist das Hauptergebnis einer Umfrage, die die Amerikanische Handelskammer in Österreich am Donnerstag vorgestellt hat. Speziell nach der EU-Osterweiterung wird der Standortwettbewerb für Österreich schärfer werden, sagte IBM-Österreich-Chef Ernst Nonhoff, Präsident der Österreichisch-Amerikanischen Handelskammer. "Für mich ist Budapest die Herausforderung. Budapest möchte nach der Erweiterung das Zentrum in der Region werden, eine Position, die derzeit Wien innehat", sagte US-Botschafter Lyons Brown.

Die aktuell erhobenen Werte zur Haltung der Unternehmen zu ihren Investitionen in Österreich haben sich gegenüber der letzten Studie 1999 leicht verschlechtert, aber nicht dramatisch verändert: 33 Prozent der Befragten wollen in Österreich mehr Mitarbeiter beschäftigten gegenüber 34 Prozent vor 3 Jahren. 13 (10) Prozent der Firmen wollen Personal abbauen, 55 (50) Prozent gaben an, mit dem derzeitigen Personalstand ihr Auslangen zu finden.

Hohe Einkommenssteuer macht negative Stimmung

In US-Unternehmen in Österreich werden aktuell knapp 41.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Direktinvestitionen betragen kumuliert rund 2,7 Mrd. Euro.

Teils deutlich abgelehnt werden von den US-Firmen die hohen Einkommenssteuern (69 Prozent negative oder sehr negative Stimmen), die Unternehmenssteuern (38 Prozent negative/sehr negativ), die Ladenöffnungsregelungen (47 Prozent Kritiker) und die Flexibilität in puncto Arbeitszeit (42 Prozent ablehnend). Kritisiert wird am Standort auch die Bürokratie in Sachen Sozialversicherung sowie die nur schwer zu bekommenden Arbeitsgenehmigungen für Bürger aus den östlichen Nachbarstaaten. Positiv wird Österreich die gute Infrastruktur und geographische Lage, die soziale Stabilität sowie die Lebensqualität angerechnet.

Leitl: Rasche Standortverbesserung

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der bei der Vorstellung der Studie anwesend war, sah in den Forderungen der amerikanischen Unternehmen die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der WKÖ bestätigt - etwa durch das Verlangen, nicht entnommene Gewinne steuerlich günstiger zu stellen. "Das zeigt die Bereitschaft, in Österreich verdiente Gewinne im Land zu belassen, wenn es ein Steuerzuckerl gibt."

Leitl drängte auf rasche Maßnahmen zur Standortverbesserung: "Ich glaube nicht, dass wir noch drei oder fünf Jahre Zeit haben." Zur Vorbereitung der EU-Erweiterung solle die Regierung im kommenden Jahr steuerliche Maßnahmen zur Entlastung der Betriebe, die dann 2004 in Kraft treten könnten, so Leitl. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ernst Nonhoff, Präsident der Österreichisch-Amerikanischen Handelskammer, glaubt, dass nach der EU-Osterweiterung der Standortwettbewerb für Österreich schärfer werden wird.

Share if you care.