Über die Hälfte der Schüler hat im Bus keinen Sitzplatz

5. September 2002, 12:27
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Fünf Prozent aller Schulwegunfälle ereignen sich bei oder in Bussen - Die Haltestelle gilt als gefährlichster Teil einer Busfahrt

Wien - Mehr als die Hälfte der Schüler benutzt für den täglichen Schulweg öffentliche Verkehrsmittel. Fünf Prozent aller Schulwegunfälle ereignen sich bei oder in Bussen. Mit 64 Prozent haben Stolpern und Stürzen bzw. Verletzungen wegen Drängeleien oder tätlichen Aggressionen einen enorm hohen Anteil daran, ergab eine Studie des Instituts für Verkehrserziehung, berichtete das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) am , Donnerstag, in einer Aussendung.

Die Ergebnisse der Untersuchung, die in zwei niederösterreichischen Schulstädten durchgeführt wurde, seien bedenklich, hieß es. Mehr als die Hälfte der befragten Kids (52 Prozent) gab an, der Bus sei immer voll, es stehe kein Sitzplatz zur Verfügung. Der tatsächliche Prozentsatz kann noch größer sein, denn Volksschulkinder wurden nicht befragt.

Thema Sitzplatz

"Erfahrungsgemäß ziehen diese beim Thema Sitzplatz im Bus immer den Kürzeren", sagte KfV-Direktor Othmar Thann. Laut der Studie kämpft ein Drittel der Befragten aktiv um einen Sitzplatz. Er wird weder an ältere oder gebrechliche Personen noch an jüngere Schulkinder abgetreten.

"Die Haltestelle gilt als gefährlichster Teil einer Busfahrt", so Thann. Von den Lenkern werden starke Nerven und Fingerspitzengefühl gefordert. Meist laufen Massen von Kindern und Jugendlichen dem Bus entgegen, drängeln, stoßen und pressen sich gegen die Türen. 46 Prozent der Schüler queren direkt vor oder hinter dem Transportmittel die Fahrbahn und warten nicht, bis der Bus abgefahren ist. Das geltende Vorbeifahrverbot wird laut den Fahrern meist nicht befolgt.

Seit 1994 muss hinter Schulbussen, die mit gelbroter Tafel vorn und hinten ausgerüstet sind, angehalten werden, wenn Alarmblinkanlage oder Warnleuchten eingeschaltet sind, erinnerten die Experten. Dies gilt auch dann, wenn der Bus in einer Bucht steht. Das KfV forderte eine intensivere Kontrolle durch die Exekutive sowie eine gesetzliche Erweiterung der Anhaltepflicht auf den Gegenverkehr. Zusätzlich wurde nach französischem Vorbild die Ausrüstung mit rot blinkenden Schülertransporttafeln verlangt.

Ein vielversprechendes verkehrspädagogische Konzept ist laut KfV das Buslotsen-Modell. Schüler werden dazu ausgebildet, durch Vorbildwirkung und konstruktives Konfliktverhalten die Situation an Haltestellen und im Bus zu entschärfen. (APA)

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