Libro-Verkauf bleibt offen

6. September 2002, 17:35
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Masseverwalter führt Buchhandelskette vorerst weiter

Wien - Die "Zitterpartie" um den in Konkurs befindlichen Medienhandelskette Libro geht in die nächste Runde: Nach der am Donnerstag stattgefundenen Berichts- und Prüfungstagsatzung ist die Zukunft der 216 noch verbliebenen Libro-Standorte weiterhin ungewiss. Ob das Unternehmen nun doch verkauft oder zerschlagen wird, blieb offen. Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) teilte am Donnerstag allerdings mit, dass Masseverwalter Günther Viehböck Libro "vorläufig auf unbestimmte Zeit" fortführen werde.

Bisher hat Viehböck freilich 28 Libro-Filialen geschlossen, und die Libro-Buchhandelstochter Amadeus wurde kürzlich für 9,3 Mill. Euro an die zum Douglas-Konzern gehörende deutsche Buchhandelsgruppe Thalia verkauft. "Ernsthafte" Interessenten für die Übernahme der noch aktiven Standorte von Libro seien angeblich vorhanden, so der KSV. Über deren Identität sei aber noch nichts bekannt.

Eine Menge Gläubiger, immense Konkursforderungen

Nach Angaben des KSV haben knapp 1.200 Gläubiger Konkursforderungen von rund 349 Mill. Euro angemeldet. Die Masseverwalter, Günther Viehböck und Bernhard Schatz, hätten Forderungen von 315 Mill. Euro vorerst bestritten, wie es weiter hieß. Zumal eine detaillierte Überprüfung aller Forderungen bisher nicht vorgenommen werden können. Die Prüfungstagsatzung wurde daher auf den 3. Dezember 2002 erstreckt. Der KSV rechnet jedoch damit, dass ein Großteil der zurzeit noch bestrittenen Forderungen letztlich anzuerkennen sein werde. Damit sei die Libro-Pleite - gemessen an den Passiva - das drittgrößte Insolvenzverfahren in der österreichischen Wirtschaftsgeschichte, hieß es. Nur die Insolvenz des Konsum mit 1,89 Mrd. Euro und der Maculan-Gruppe mit 810 Mill. Euro seien noch größer gewesen, so der KSV.

Thalia meldet Amadeus-Teilverkauf bei Kartellgericht

Die Thalia Holding hat unterdessen den Kauf der Buchhandelskette Amadeus, beim Oberlandesgericht Wien zur kartellrechtlichen Prüfung angemeldet. Angemeldet haben die Hamburger den "Erwerb von Teilen" von Amadeus. Nach der offiziellen Bekanntgabe des Deals vor knapp zwei Wochen hatte es geheißen, dass die zum deutschen Douglas-Konzern gehörende Thalia-Gruppe "die meisten" der 22 Amadeus-Filialen übernehmen wolle.

Wie berichtet hatte Libro-Masseverwalter Günther Viehböck in einer Versteigerung der Douglas-Buchhandelstochter den Zuschlag erteilt. Der Kaufpreis für Amadeus (mehr als 500 Mitarbeiter) wurde mit 9,3 Mill. Euro beziffert. In Österreich war Douglas bisher nur mit Parfümerien vertreten. Über die Thalia-Gruppe, die eine marktführende Stellung im deutschsprachigen Raum hat, setzte Douglas im vergangenen Jahr mit 88 Buchhandlungen und zwei Internet-Buchhandlungen (buch.de und buch.ch) 285 Mill. Euro um. Die Thalia-Gruppe beschäftigt rund 2.000 Mitarbeiter. (APA)

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