Ein zeitgemäßes Jota anders

15. September 2002, 12:37
posten

Bei ihrem neuesten Wurf geht die Firma Chronoswiss sorgfältig mit ihrem Erbe um

Das Chronoskop von Chronoswiss-Chronografen ist als "Zeitschreiber" geläufig. Dabei handelt es sich allerdings schon lange nicht mehr um "Zeitschreiber" im ursprünglichen Sinne des Wortes. So etwas hatte der Pariser Uhrmacher Rieussec 1821 zum Patent angemeldet.

Das heute eher kurios anmutende Ding notierte Zeitintervalle in der Tat mit Tinte auf einem rotierenden Zifferblatt. Seit 1844 setzten sich auf Knopfdruck Zeiger in Bewegung. Und nach Betätigung eines Drückers sprangen sie auch wieder in ihre Ausgangsposition zurück. Damit war Realität geworden, was inzwischen landläufig als Chronograf bezeichnet wird, richtigerweise aber Chronoskop heißen müsste.

Zeitintervalle werden nämlich lediglich angezeigt und niemals aufgeschrieben. "Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung." Zu dieser Erkenntnis ist schon der chinesische Philosoph Kung Tse, besser bekannt unter seinem lateinischen Namen Konfuzius, gelangt. Und Gerd-Rüdiger Lang, seines Zeichens Inhaber der Münchner Uhrenfabrikation Chronoswiss, stimmt ihr aus innerster Überzeugung rückhaltlos zu.

Deshalb hat er sich schon vor längerem den Namen "Chronoscope" schützen lassen. Demnächst wird der zugehörige Zeitmesser bei den Konzessionären liegen. Dabei handelt es sich natürlich um einen Stopper oder - nach inzwischen allgemein geläufiger Terminologie - einen Chronografen. Jedoch nicht um ein gewöhnliches Modell, in dem ein zeitschreibendes Rohwerk von der Stange steckt.

Die drei Funktionen - Start, Stopp, Nullstellung - der zentralen Chrono-Sekunde werden über einen in die Aufzugskrone integrierten Drücker und ein klassisches Schaltrad gesteuert. Letzteres dreht sich bei der "6" um die Welle des permanent mitlaufenden Sekundenzeigers. An den Chronoswiss-Bestseller "Régulateur" erinnert bei der "12" die dezentrale Anordnung des Stundenzeigers. Am bewährten, sorgfältig fein bearbeiteten Automatikwerk C.122, das mit dem "Chronoscope"-Zusatz 125 heißt, hat Chronoswiss aus verständlichen Gründen keine Änderungen vorgenommen. Seine Glucydur-Unruh mit autokompensierender Flach- spirale vollzieht stündlich 21.600 Halbschwingungen. Aus dieser Frequenz von drei Hertz resultiert eine Sechstelsekunden-Stoppgenauigkeit.

Weil Uhrmachermeister Lang auf Detailtreue größten Wert legt, fand diese Tatsache bei der Gestaltung des lackierten Metallzifferblatts selbstverständlich angemessene Berücksichtigung: Die Skala für den zentral positionierten Stopp-Sekundenzeiger besteht aus exakt 360 Strichen. Jeweils fünf davon befinden sich zwischen zwei Sekundenmarkierungen.

Auf erprobte Qualitäten greift Chronoswiss beim Gehäuse des "Chronoscope" zurück. Es besitzt einen Durchmesser von 38 mm, besteht aus 25 Teilen und widersetzt sich dem nassen Element bis zu drei atm (30 Meter). Ein beidseitig entspiegeltes Saphirglas gestattet ein problemloses Ablesen des silberfarbenen Zifferblatts, vor dem sich bombierte, von Hand zugeschliffene und gebläute Stahlzeiger drehen. Die Schwingungen der Unruh und des vergoldeten Rotors lassen sich durch den Saphirglasboden beobachten. Das Geheimnis des komplexen, exklusiv bei Chronoswiss erhältlichen Chrono-Schaltwerks bleibt dagegen unter dem Zifferblatt verborgen.

Die Uhrmacher montieren es direkt auf der Vorderseite der Platine des Automatikwerks. Im Gegensatz zu den mittlerweile weit verbreiteten Modulkonstruktionen wird die Werkplatte vorher jedoch speziell bearbeitet. Zum Beispiel bringen die damit befassten Handwerker spezielle Einfräsungen für den aufwändigen Stopper-Mechanismus an. Die chronografischen Pioniere haben das vor 150 Jahren schon so praktiziert. Und sie wussten genau, warum.

Deshalb sieht Chronoswiss heute keinen Grund, von diesem großartigen Erbe mehr als nur ein zeitgemäßes Jota abzurücken. Und das besteht beim "Chronoscope" im automatischen Aufzug, in den geringeren Dimensionen sowie der problemlosen Befestigungsmöglichkeit am Handgelenk. (derStandard/rondo/Gisbert L. Brunner/6/9/02)

  • Artikelbild
Share if you care.