"Siegesdenkmal" entzweit Südtirol

5. September 2002, 11:14
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Brisante Volksbefragung reißt alte Wunden zwischen deutschen und italienischen Boznern auf

Bozen - Die Sache schien gelaufen zu sein, als der Gemeinderat von Bozen im Dezember 2001 mehrheitlich beschlossen hatte, den faschistisch belasteten Siegesplatz in Friedensplatz umzubenennen. Da aber in der Folge die oppositionelle Rechtspartei Alleanza Nazionale (AN) dagegen mobil machte, steht Südtirols Landeshauptstadt am 6. Oktober ein politisch brisantes Referendum ins Haus.

Siegesplatz? Friedensplatz

Rund 4.600 Unterschriften, mit denen die postfaschistische AN in Bozen die Volksbefragung erzwungen hatte, genügten, um einen Keil in Bozens deutsch- und italienischsprachige Bevölkerung zu treiben. Soll der Platz, auf dem das 1928 von den Faschisten errichtete Siegesdenkmal steht, wieder bzw. weiterhin Siegesplatz heißen, oder soll der Platz, der Ende 2001 in Friedensplatz umbenannt worden war, mit seiner leidvollen Geschichte abschließen und als Friedensplatz in eine europäische Zukunft weisen? Am 6. Oktober 2002 wird nun Bozens Bevölkerung befragt, ob sie mit dem Beschluss ihrer Stadtväter, aus dem Siegesplatz einen Friedensplatz zu machen, einverstanden ist.

Das Bozner Siegesdenkmal am Friedensplatz (Ex-Siegesplatz) teilt die Stadt Bozen in eine alte deutsche und in eine neuere italienische Hälfte. Das Siegesdenkmal, von den Faschisten als Symbol des italienischen Sieges über den Feind jenseits der Alpen errichtet, erinnert die Südtiroler an die Unterdrückung durch den Faschismus und sorgt in Südtirol seit Jahrzehnten für Polemiken.

"...was der Blödsinn soll"

"Die deutsche Bevölkerung in Südtirol hat das faschistische Siegesdenkmal stets als Beleidigung erachtet", erklärte Landeshauptmann Luis Durnwalder auf Anfrage der APA. Wenn schon das Siegesdenkmal nicht abgerissen würde, so müssten laut Durnwalder wenigstens die beleidigenden Merkmale des Denkmales beseitigt werden, darunter auch der Name Siegesplatz. Südtirols Landeshauptmann forderte die AN auf, endlich Frieden zu praktizieren anstatt Siege eines diktatorischen Zeitalters zu feiern. Die Wiederherstellung der Bezeichnung Siegesplatz sei anachronistisch und würde kaum dazu beitragen, Barrieren zwischen Südtirolern und Italienern abzureißen.

Bozens Vizebürgermeister Elmar Pichler-Rolle (SVP) meinte, dass sich viele Bürger fragen würden, "was der Blödsinn soll". Die größte Aufgabe der Stadt sei nun, die Menschen zu überzeugen, sich am 6. Oktober an der Volksbefragung, die nur konsultativen Charakter hat und somit für die Stadtverwaltung nicht einmal bindend wäre, zu beteiligen. Der Entscheidung des Bozner Gemeinderates, den Siegesplatz in Friedensplatz umzubenennen, seien jahrelange Gespräche voraussgegangen, in welche auch die Opposition und somit die AN einbezogen worden war. AN habe nun ein Referendum, das sie laut Pichler-Rolle nun selbst nicht mehr wolle. Die postfaschistische Partei habe sich in eine Sackgasse manövriert: "AN möchte sich baldmöglichst an der Regierung beteiligen, aber sie hört nicht auf, zu denken wie ihre Ahnen."

Giorgio Holzmann, der Landesvorsitzende von AN in Südtirol, gab sich einen Monat vor der Volksbefragung bedeckt. Er gestand ein, dass es besser gewesen wäre, auf ein Referendum dieser Art zu verzichten. Die Stadtgemeinde Bozen hätte laut Holzmann seine Bevölkerung zu dem Thema befragen sollen, bevor sie die Entscheidung zur Umbenennung gefällt hat. Zwar sei nun Bozens Bevölkerung in zwei Lager gespalten, doch müsse, wenn schon, auf beiden Seiten der Südtiroler Geschichte aufgeräumt werden. Laut Holzmann gehe es nicht an, dass in anderen Gemeinden Südtirols Straßen und Plätze nach Südtiroler "Ex-Terroristen" benannt seien. Was den Siegesplatz in Bozen betrifft, ist für den AN-Leader aber klar: "Kämpfe, an die man glaubt, muss man führen". (APA)

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    Fackelzug der Südtiroler Schützen vor dem Siegesdenkmal.

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