Neues Sanitätergesetz gibt Helfern mehr Rechte

5. September 2002, 09:56
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Zwischen hauptamtlichen Mitarbeitern und freiwilligen Helfern wird praktisch nicht mehr unterschieden...

Wien - Mit dem neuen Sanitätergesetz, das seit Anfang Juli gilt, wurde nicht nur der Beruf des Sanitäters geschaffen, es gibt den Helfern auch mehr Rechte. Je nach Ausbildungsstand dürfen sie im Ernstfall Medikamente verabreichen oder sogar intubieren. Einheitliche Schulung und vorgeschriebene Weiterbildung sollen österreichweit einen gleich bleibenden Standard bei allen Rettungsorganisationen garantieren.

Das Gesetz, das die aus dem Jahr 1961 stammende Regelung abgelöst hat, ist Grundlage für die Berufsbezeichnung "Sanitäter". Es unterscheidet zwischen dem "einfachen" Rettungssanitäter und dem Notfallsanitäter, der weitere Berechtigungen erwerben kann. So darf er etwa, sofern in gebotener Zeit keine ärztliche Hilfe zur Verfügung steht, im Rahmen einer Notfall-Kompetenz auch erweiterte lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen, etwa das Anlegen einer Infusion.

Der speziell ausgebildete Notfallsanitäter soll ein kompetenter Assistent des Notarztes sein und wird im Notarztwesen eingesetzt. Zwischen hauptamtlichen Mitarbeitern und freiwilligen Helfern wird praktisch nicht unterschieden. Die vorgeschriebenen Theorie- und Praxiseinheiten entsprechen durchaus internationalen Maßstäben.

300 Stunden in Theorie und Praxis dauert die Mindestausbildung

300 Stunden in Theorie und Praxis dauert die Mindestausbildung zum Rettungssanitäter. Er darf Rettungs- und Krankentransporte- sowie Ambulanzdienste übernehmen. Der Weg zum Notfallsanitäter ist es noch sehr weit: Erst nach mindestens 160 Stunden Einsatzzeit, 160 Stunden Theorie, 40 Stunden Krankenhauspraxis und 280 Stunden Praktikum kann die Prüfung vor einer Expertenkommission abgelegt werden. Vom Laienhelfer bis zum geprüften "Notfallsani" dauert die Ausbildung zumindest 940 Stunden, das sind 40 Tage nonstop.

Notfall-Kompetenz

Weitere 90 Stunden Ausbildung umfasst die "allgemeine Notfall-Kompetenz". Arzneimittellehre und das richtige Setzen einer Infusion stehen am Programm. Ist eine unmittelbare Lebensgefahr abzuwenden oder ärztliche Hilfe nicht greifbar, darf der Notfallsanitäter bestimmte Medikamente eigenverantwortlich verabreichen. Nach weiteren 500 Stunden im Einsatz und 110 Stunden Theorie wird die höchste Ausbildungsstufe, die "besondere Notfall-Kompetenz" erlangt. Insgesamt 1.640 Stunden braucht der Helfer, um Schwerverletzte u.a. auch intubieren zu dürfen, wenn es die Situation erfordert.

Für den Dienst als Hubschrauber-Sani bei der "Christophorus-Flotte" des ÖAMTC reicht dies alles noch nicht. Mindestens vier Jahre Tätigkeit im Rettungsdienst und ein medizinischer Eignungstest werden ebenso gefordert, wie eine abgeschlossene Bergrettungs-Ausbildung bei den alpinen Stützpunkten. Nach einer genauen Unterweisung am Hubschrauber fliegt neben dem "Neuling" auch ein erfahrener Sanitäter mit.

"learning by doing"

Neben der Hunderte Stunden dauernden Ausbildung müssen die Sanitäter auch zahlreiche Dienststunden leisten, um die zusätzlichen Kompetenzen zu erlangen. Ein "Ersitzen", ohne in der Praxis viel geleistet zu haben, gibt es bei den Hilfsorganisationen nicht.

"Natürlich besteht immer die Gefahr, dass in den vorgeschriebenen Praxisstunden nur wenig Einsätze anfallen und der Notfallsanitäter in Ausbildung zu wenig schwere Notfälle behandeln muss", erklärte ÖAMTC-Notarzt Univ. Prof. Dr. Wolfgang Voelckel. Das vorgeschriebene Klinikpraktikum garantiert eine Basisausbildung. Die entsprechende Erfahrung muss bei verschiedenen Einsatzarten gesammelt werden.

"Der neue Standard ist positiv für die Patienten"

"Der neue Standard ist positiv für die Patienten", erklärte Gerald Czech vom Österreichischen Roten Kreuz. Die Ausbildner überwachen genau Zahl und Art der Einsätze. Es kann nicht sein, dass etwa ein Sanitäter oft bei Radunfällen geholfen hat, aber kaum bei internen Notfällen war. Czech: "Dann kann es auch länger dauern". Die vorgegebenen Stunden entsprechen schließlich nur einer Mindestempfehlung.

Schon seit dem Frühjahr drücken freiwillige Helfer und Angestellte beim Roten Kreuz die Schulbank. "Alte Hasen", mit der nötigen Praxis und Ausbildung haben bereits eine Übergangsprüfung abgelegt und sind schon als Notfallsanitäter im Einsatz.

Die Medikamentenliste ist zu eng

"Wir sind grundsätzlich mit dem neuen Gesetz zufrieden", so Stefan Brinskele vom Arbeiter Samariterbund Österreichs. Allerdings ist der bürokratische Aufwand sehr hoch.

Auch beim ASBÖ wurden die Helfer schon länger nach den nun geltenden Richtlinien ausgebildet. Begleiter kontrollieren während der Ausbildung, ob die Sanitäter auch wirklich alle möglichen Notfälle kennen lernen. Verbesserungsvorschläge hat Brinskele auch schon parat: "Die Medikamentenliste ist zu eng - nicht einmal eine Salbe gegen Insektenstiche dürfte gegeben werden".

Das "learning by doing" schließt neben der vorgesehenen stufenweisen Ausbildung besonders effizient mögliche Lücken. Wiederholtes Training in der Klinik oder am Simulator bleibt laut Voelckel auch den geprüften Notfallsanitätern nicht erspart.(APA)

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