France Telecom vor Rekord-Halbjahresverlust

5. September 2002, 18:13
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Fehlbetrag könnte 10 bis 15 Milliarden Euro betragen - Halbjahreszahlen 2002 in kommender Woche

Der französische Telefonriese France Telecom hat nach Informationen der Pariser Wirtschaftszeitung "La Tribune" im ersten Halbjahr 2002 die höchsten Verluste der Unternehmensgeschichte erlitten. Nach der Vorstandssitzung Ende kommender Woche werde der Konzern einen Fehlbetrag von 10 bis 15 Mrd. Euro bekannt geben, berichtete das Blatt am Donnerstag unter Berufung auf Mitarbeiter des Unternehmens. Verantwortlich für das Rekordminus seien vor allem die hohen Abschreibungen aus Kapitalanlagen. France Telecom kündigte indes an, der Geschäftsverlauf des ersten Halbjahres sei den Erwartungen des Marktes gerecht geworden.

Gewachsen

Eventuell vorzunehmende Abschreibungen in der Bilanz hingen vom Ergebnis der Verhandlungen mit dem deutschen Mobilfunkunternehmen MobilCom, betonte der französische Staatskonzern heute. Sowohl das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) als auch das Betriebsergebnis (EBIT) seien im ersten Halbjahr um mehr als 10 Prozent gewachsen.

"Schnell"

France Telecom hat nach eigenen Angaben den operativen Free Cash-Flow in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um rund 50 Prozent zum Vorjahr gesteigert. "Das betriebswirtschaftliche Modell, das bei France Telecom zur Anwendung kommt, erlaubt es, den operativen Free Cash-Flow sehr schnell zu steigern", teilte das Unternehmen weiter mit.

Ähnlich wie die Deutsche Telekom hat die zu 55 Prozent in Staatsbesitz befindliche France Telecom derzeit mit einem Schuldenberg von mehr als 60 Mrd. Euro zu kämpfen. Wegen der für 2003 und die folgenden Jahre vereinbarten Fälligkeiten könnte eine Liquiditätskrise eintreten.

Unterstützung vom Staat

Die Schuldenkrise bei France Telecom hat mittlerweile im Pariser Finanzministerium zu Überlegungen für eine direkte staatliche Intervention gesorgt. Wenn France Telecom in Zahlungsschwierigkeiten komme, werde der Staat "angemessene Unterstützung" leisten, erklärte das Ministerium am Donnerstag.

Die Börsennotierung von France Telecom, die am Morgen um 10 Prozent eingebrochen war, fing sich am Mittag leicht, lag aber mit 10,90 Euro immer noch mehr als 5 Prozent im Minus.

Im kommenden Jahr muss France Telecom Kredite in Höhe von rund 15 Mrd. Euro bedienen. Das finanzielle Desaster war in den vergangenen Monaten stückweise bekannt geworden. Der Kursverfall der Aktie um rund 70 Prozent seit Jahresbeginn nährte auch die Spekulationen über eine bevorstehende Ablösung von Konzernchef Michel Bon, zu der sich die Regierung jedoch offiziell nicht äußerte. Zu den in Erwägung gezogenen staatlichen Interventionsplänen gehört auch eine Kapitalerhöhung um bis zu 10 Mrd. Euro. Bon hatte mehrmals versichert, eine Kapitalerhöhung sei nicht notwendig und sein eigenes Schicksal mit dieser Frage verknüpft. (APA)

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