Mission: Normalisierung mit Israel

5. September 2002, 09:44
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Kurt Hengl, Österreichs designierter Botschafter in Tel Aviv, will die "Aufschwungphase" zum Ausbau der bilateralen Beziehungen nutzen

Wien - "Ich will die bilateralen Beziehungen dorthin bringen, wie ich sie 1994 verlassen habe. Wenn ich dorthin komme, ist es schöner Erfolg." Das sagte der designierte österreichische Botschafter in Israel, Kurt Hengl, in einem Telefongespräch mit der APA. Hengl leitete die Botschaft in Tel Aviv schon einmal: Während der Waldheim-Krise, als Israel und Österreich die diplomatischen Beziehungen beiderseits zurückgestuft hatten, war er ab 1990 Geschäftsträger, dann von 1992-1994 Botschafter. In der zweiten Septemberhälfte wird er nach Tel Aviv zurückkehren.

Ähnlich wie unter Bundespräsident Kurt Waldheim tritt Hengl seinen Dienst in Israel zu einer Zeit an, in der die österreichisch-israelischen Verhältnisse belastet sind. Aus Protest gegen Regierungsbeteiligung der FPÖ im Februar 2002 hat Israel anstelle eines Botschafters nur einen Geschäftsträger nach Wien geschickt.

Positives Signal

Hengl sieht seine Entsendung als positives Signal. Die Option, den Botschafterposten in Tel Aviv ebenfalls auf Geschäftsträgerebene herabzustufen, sei von österreichischer Seite nie verfolgt worden. Außerdem erfolge seine Berufung in einer "Aufschwungphase", ergänzte der Diplomat. Ende Juli 2002 hat die israelische Regierung eine Normalisierung in Aussicht gestellt. "Die israelische Seite weiß zu schätzen, wie sich die Regierung bei der Entschädigung der Zwangsarbeiter bemüht hat und, dass Österreich neben Kanada das einzige Land ist, in dem es zu keinen Ausschreitungen gegen Juden kommt", sagte Hengl.

Als Hengl Tel Aviv 1994 verließ, war der Oslo-Friedensprozess gerade im Gang. Alles Erträumte sei zerstört, so der "neue alte" Botschafter. Was den Nahost-Konflikt betrifft, sieht Hengl zwei konkrete Aufgaben, die Österreich wahrnehmen könnte: einerseits bei der Abhaltung von demokratischen Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten, andererseits bei der Reform des palästinensischen Verwaltungssystems. "Das derzeitige System kann nicht Grundlage eines Palästinenser-Staates werden. Es ist verständlich, dass ihn Israel unter den jetzigen Umständen verhindert."

Hengl will in seiner künftigen Amtszeit in Israel auch die kulturelle Zusammenarbeit weiter intensivieren. So wird die Wiener Staatsoper im nächsten Jahr ein Gastspiel an der Oper in Tel Aviv geben. Anfang November soll auf dem Kultursektor ein bilaterales Arbeitsprogramm für die kommenden drei Jahre beschlossen werden. (APA)

  • Kurt Hengl, designierter österreichischer
Botschafter in Israel.
    foto: der standard/hermann

    Kurt Hengl, designierter österreichischer Botschafter in Israel.

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