Dem Hasenschwund auf der Spur

5. September 2002, 15:21
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Den Hasen gehen die bevorzugten Landschaften aus

Wien - Die Vermehrungsfähigkeit von Hasen und Kaninchen ist sprichwörtlich. Tatsächlich gehen die Bestände an Feldhasen und Kaninchen europaweit aber seit Jahrzehnten zurück. Für den Kaninchenschwund ist in erster Linie die Viruserkrankung Myxomatose verantwortlich, den Hasen gehen - sehr wahrscheinlich - die bevorzugten Landschaften aus. In einer Studie des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Universität Wien soll nun der Hasenschwund genauer unter die Lupe genommen werden.

Den Hasen gehen die bevorzugten Landschaften aus

Finanziert wird die Untersuchung unter anderem durch einen Forschungspreis der Deutschen Wildtier Stiftung, der kürzlich dem in Wien arbeitenden Biologen Klaus Hackländer zugesprochen wurde. In den vergangenen Jahren mehren sich Hinweise, dass die Bestandszahlen an Feldhasen mit dem Vorhandensein von Brachflächen und Ackerrandstreifen zusammenhängen.

Landwirtschaft hat wenig NAhrung zu bieten

Das würde auch nahe liegen, denn die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Gräsern und Kräutern und Gebiete mit intensiver Landwirtschaft haben da wenig zu bieten, erklärte Hackländer gegenüber der APA. Andererseits fehlt auf derartigen Flächen den Hasen die nötige Deckung, Beutegreifer haben leichtes Spiel.

Zählungen

Die Biologen führen seit längerem bereits Zählungen und Untersuchungen an verschiedenen Hasenpopulationen im Marchfeld durch. Es zeigte sich, dass in manchen Revieren im Frühjahr mehr als 80 Tiere pro 100 Hektar unterwegs sind, in anderen gerade einmal 40. Mit Unterstützung des Niederösterreichischen Landesjagdverbandes sowie des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Jägern wurde die Fruchtbarkeit an erlegten Weibchen untersucht. Die Studie zeigte, dass Häsinnen in den weniger dicht besiedelten Gebieten prinzipiell genau so viel Nachwuchs bekommen, wie den anderen Regionen, nämlich zwölf bis 13 Junge pro Jahr.

Bei der in Frankreich entwickelten und in Wien durch das FIWI etablierten Untersuchungsmethode kann die Anzahl aller geborenen Junghasen pro Häsin über einen Zeitraum von etwa einem Jahr anhand von Narben in der Gebärmutter nachgewiesen werden.

"Da die Weibchen offenbar genau so viele Junge bekommen, muss der Nachwuchs in den weniger dicht besiedelten Gebieten irgendwie ums Leben kommen", ist der Biologe überzeugt. Nun soll geklärt werden, was den Tieren so zusetzt: Ist es eher das mangelnde Nahrungsangebot auf den intensiv landwirtschaftlich genutzten Arealen, mehr die schlechtere Versteckmöglichkeit oder gibt es noch andere Ursachen? Erst wenn die genauen Umstände für den Hasenrückgang bekannt sind, können die Wildbiologen Ratschläge geben, wie man gegensteuern könnte.

Hasen bauen keine unterirdischen Behausungen

Ausgewachsene Feldhasen sind mit bis zu fünf Kilogramm deutlich schwerer als ihre Vettern - die Kaninchen. Außer an der Größe sind sie außerdem noch durch die unterschiedlich langen Ohren auch für Laien zu unterscheiden, die Hasenlöffel sind deutlich länger. Im Gegensatz zu Kaninchen bauen Hasen keine unterirdischen Behausungen, sie leben vielmehr in geschützten Bodenmulden und unter Sträuchern. (APA)

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