Unklarheit über Bagdads Waffen-Arsenal

5. September 2002, 08:46
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Irak-Experte: "Es gibt nur Vermutungen" - Pariser Diplomaten wissen von drei Scud-Raketen - Bush vor UNO-Vollversammlung

Berlin - Die Gefahr, die von den Rüstungsprogrammen des Irak derzeit ausgehen könnte, ist nach den Worten des Irak-Experten bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Volker Perthes, nicht einschätzbar. "Seit 1998 gibt es keine Waffeninspektionen mehr im Irak. Was seitdem geschehen ist, wissen wir nicht. Es gibt nur Vermutung", sagte Perthes am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin.

US-Präsident George W. Bush will in der kommenden Woche vor den Vereinten Nationen an die Welt appellieren, das "Problem Irak" anzupacken. Nach einem Gespräch mit Kongresspolitikern bezeichnete er am Mittwoch im Weißen Haus Saddam Hussein als "ernsthafte Bedrohung". US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte zuvor angedeutet, dass die US-Regierung bei bevorstehenden Irak-Anhörungen im Kongress Belege für das Streben Bagdads nach Massenvernichtungswaffen vorlegen will.

Bush vor UNO-Vollversammlung

Angesicht anhaltender Kritik will US-Präsident George W. Bush seine Position zur Irak-Frage vor der UNO-Vollversammlung erläutern. Nach Angaben des Vorsitzenden des Senatsausschusses für Geheimdienste, Bob Graham, dürfte Bush bei seiner Rede neue Informationen über Irak liefern, die sein Werben um einen Angriff begründen sollen.

Nach einem Bericht der "Financial Times" (Donnerstagsausgabe) werden Bush und der britische Premier Tony Blair bei ihrem Treffen am Samstag in Camp David bei Washington vor allem über zwei Punkte beraten: Zum einen wollen sie erörtern, ob der UNO-Sicherheitsrat Iraks Staatschef Saddam Hussein in einer Resolution verurteilen sollte. Demnach will Blair Bush gegenüber betonen, dass eine solche Resolution die internationale Unterstützung für einen Angriff mehren würde. Zweitens wollen die Regierungschefs darüber beraten, ob sie ihr Engagement im Nahen Osten vor einem möglichen Krieg gegen den Irak verstärken sollten, um die dortigen Spannungen abzubauen.

Paris: Keine akute Bedrohung Frankreich liegen nach Angaben aus französischen Diplomatenkreisen keine Belege für eine akute Bedrohung durch den Irak vor. "Wir haben keine ernst zu nehmenden Informationen, weder aus Frankreich noch von einem Verbündeten, mit denen wir die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak bestätigen oder ausschließen könnten", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch aus den Kreisen in Paris. Man sei überzeugt, dass der Irak nicht über Atomwaffen verfüge. Geheimdienstinformationen zufolge besitze das Land drei Scud-Raketen, die zurzeit zerlegt seien. Da jedoch eine mittelfristige Gefahr nicht ausgeschlossen werden könne, müssten die UNO-Inspektoren wieder ins Land gelassen werden, hieß es.

Regierungswechsel

US-Präsident George W. Bush hat einen Regierungswechsel im Irak zum Regierungsziel erklärt und dabei einen Einsatz militärischer Mittel nicht ausgeschlossen. Zahlreiche Staaten, darunter Frankreich, haben sich gegen ein Vorgehen ohne ein Mandat der Vereinten Nationen ausgesprochen. Der Irak verweigert UNO-Inspektoren die Einreise, die bestätigen sollen, dass das Land nach dem Golfkrieg über keine Massenvernichtungswaffen verfügt. (APA/Reuters)

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    Zwei Scud-Raketen aus dem Arsenal der bulgarischen Armee.

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