"In den 60er Jahren gab es eine Revolution - für Männer"

4. September 2002, 20:29
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Yoko Ono kratzt am Mythos "60er-Jahre" - auf der "Open 2002" in Venedig stellt sie 100 Särge aus

Venedig - "Die 60er Jahre waren alles andere als legendär: Zu viel Drogen und Machismus": Die Witwe von Ex-Beatle John Lennon, Yoko Ono, kritisiert das Mythos um die "goldenen Sixties". "Es hat keinen Sinn den 60er Jahren nachzuweinen. Sie waren in einer gewissen Hinsicht positiv, wir haben Gutes getan. Wir haben aber nicht gerechnet, wie gefährlich die Drogen sind. In den 60er Jahren hat es zwar eine Revolution gegeben, sie betraf aber die Männer, nicht die Frauen", betonte die 69-jährige Japanerin bei der Kunstausstellung "Open 2002" am Mittwoch in Venedig.

"Ich fühle mich als Mensch"

Auf die Frage, ob sie sich als ein "Mythos" der 60er Jahren fühle, antwortete die Künstlerin: "Wir können alle Mythen sein. Manchmal blickt jemand zurück in die Vergangenheit und bezeichnet uns als Ikonen jener Jahre. Ich fühle mich aber als Mensch", so Ono, die in Venedig mit ihrem Werk "Nutopia" ausstellt.

Die Särge, die das Werk bilden, tragen jeweils Olivenbaumzweige als Symbol des Friedens. "Jedes Land trägt die Erinnerung eines Massakers. Die Toten wollen erinnert werden, doch unsere Tränen helfen, die traurigen Erinnerungen zu lindern. Dies will mein Werk symbolisch darstellen", sagte die Künstlerin. Ihr Werk ist bis zum 6. Oktober am Lido von Venedig zu sehen.

Yoko Ono, die sich selbst als grenzüberschreitende Avantgarde- und Performancekünstlerin begreift, ist der Star der Ausstellung, die dieses Jahr unter dem Motto "Imaginaire Feminin" steht und von dem Franzosen Pierre Restany organisiert wurde. Zu sehen sind Werke international bekannter Künstlerinnen aus 40 Ländern, die traditionell auf Straßen und Hauptplätzen der Venedig vorgelagerten Insel ausgestellt werden. Die Schau "Open 2002" läuft parallel zum Kinofestival. (APA)

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    Yoko Ono bei der Einweihung des John Lennon Airport in Liverpool im Juli 2002
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