Entzündungsstopp mit Januskopf

4. September 2002, 19:38
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Österreicher entdecken Weg zu Mitteln gegen Blutvergiftung

Wien - "Gegen bakterielle Blutvergiftung gibt es kaum Medikamente. Da gerät die Bakterienvermehrung im Körper außer Rand und Band, und die Leute sterben binnen Stunden. Mit dem Mechanismus, den wir identifiziert haben, könnte man neue Mittel gegen diese Sepsis entwickeln", erzählt Norbert Leitinger, Gefäßbiologe an der Uni Wien, über seinen neuesten Fund (Nature 419, S. 77).

Und so sieht der - natürliche - Mechanismus aus, den man sich eines Tages auch bei Antibiotikaresistenz zunutze machen könnte: Oxidierte Lipide, also Fette, wie sie sich in Blutgefäßen ablagern, blockieren eine Rezeptorgruppe (toll-like receptor 4), über die bestimmte Bakterien den Signalweg zur Entzündung auslösen.

"Über eine negative Rückkoppelung schalten die Lipide die akute Entzündung ab, noch bevor sie richtig ausgebrochen ist", erklärt Leitinger. Die Fette hemmen die Interaktion zwischen Substanzen aus der Zellmembran der Bakterien und den Rezeptoren.

Das ist umso erstaunlicher, als oxidierte Lipide Entzündungen eigentlich fördern - chronische Entzündungen (über andere Entzündungswege). Leitinger glaubt, nun einen weiteren Grund dafür gefunden zu haben: Die Lipide unterdrücken zwar akute Entzündungen, "können so aber bewirken, dass diese in chronische umschlagen".

90 Prozent Erfolg

Ob der Stopp der akuten Entzündung wünschenswert ist, ist auch aus einem anderen Grund fraglich, denn Entzündungen haben im Normalfall eine reinigende, bakterientötende Funktion.

Dass der gefundene Entzündungshemmer dennoch neue Pharmaka verspricht, hat Leitingers Gruppe bereits an septischen Mäusen gezeigt: "Wir konnten 90 Prozent mit einer Injektion retten." (rosch/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 9. 2002)

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