Ausgestorben geglaubte Vögel entdeckt

4. September 2002, 19:32
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Kolumbianischer Tierforscher: "Botschaft der Natur, die uns eine zweite Chance gibt"

Montevideo/Bogotá - Jorge Velázquez konnte sein Glück kaum fassen: 3100 Meter über dem Meeresspiegel, inmitten der kolumbianischen Anden-Kordilleren tauchten 14 Blaukopfpapageien aus dem Nebelwald vor ihm auf. Wie die kolumbianische Zeitung El Tiempo berichtete, hielten Forscher diese Vogelart (Hapalopsittaca fuertesi) eigentlich für ausgestorben.

Velázquez und sieben andere Doktoranden kolumbianischer Universitäten hatten sich vor einem Jahr in der schwer zugänglichen und von bewaffneten Gruppen unsicher gemachten Region auf die Suche nach dem bunten Vogel gemacht.

Opfer von Tierfängern

Das Tier war wegen seines leuchtenden rot-grün-blauen Gefieders und seiner Sprechbegabung Opfer professioneller Tierfänger geworden. Vor einer Woche wurden die Forscher fündig. "Das ist eine gute Nachricht für die Welt und eine Botschaft der Natur, die uns eine zweite Chance gibt", sagte Velázquez.

Nach Angaben von José Vicente Rodríguez von der Umweltorganisation Conservación Internacional Colombia sind zwölf der 54 in Kolumbien heimischen Papageienarten vom Aussterben bedroht. Besonders gefährdet seien die in der Andenregion lebenden Arten. Sie werden nicht nur von Tierhändlern geschätzt, sondern landen oftmals auch im Kochtopf der Einheimischen. Außerdem verlieren sie durch die voranschreitende Abholzung des Waldes ihren Lebensraum. Manche Papageienarten benötigen Rodríguez zufolge ganz spezielle Bäume, in denen sie sich bevorzugt aufhalten und ihren Nachwuchs großziehen.

Rodríguez ist Koautor eines Buches über die Papageien des Landes, das demnächst erscheint. Damit will er in der Bevölkerung und bei Politikern Verständnis für den Vogelschutz wecken. Kolumbien gehört zu den an Arten reichsten Ländern der Erde. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 9. 2002)

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    Hapalopsittaca fuertesi

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