Wenn Kinder stehlen

5. September 2002, 10:15
3 Postings

"Erschreckend, dass sich Siebenjährige kriminell die Zeit vertreiben"

Bregenz - Kindereien, Jugendtorheiten oder kriminelle Handlungen? Gendarmerieberichte der letzten Ferientage werfen zahlreiche Fragen auf. Protagonisten der Berichte sind Kinder und Jugendliche, denen Eigentumsdelikte vorgeworfen werden. Die Kinder sind sich, so ein ermittelnder Gendarm, "der Tragweite ihres Handelns wahrscheinlich gar nicht bewusst".

Die Missetaten: zwei Buben, zehn und 13 Jahre alt, rauchen in einer Hütte in Mäder, lösen einen Brand aus. Dann brechen sie eine andere Hütte auf, klauen einen Feuerlöscher und versprühen dessen Inhalt auf einem Maisfeld. So nebenbei lassen sie in einem Klubhaus noch Süßigkeiten, Cola und Kleingeld mitgehen.

Auf ein Sportheim haben es auch sechs Kinder aus Hörbranz, sieben- bis zehnjährige Buben und Mädchen, abgesehen. Sie brechen dort viermal ein, bedienen sich mit Leckereien, Limo und Wechselgeld (insgesamt 870 Euro).

Drei Mädchen (15 bis 18 Jahre alt) versuchen wiederum spätnachts auf dem Parkplatz einer Dornbirner Wohnanlage mehrere Autos zu knacken.

Die Häufung alarmiert die Politik. SP-Jugendsprecherin Olga Pircher ist "erschreckt über die Tatsache, dass sich schon sieben- bis zehnjährige Kinder mit kriminellen Handlungen die Zeit vertreiben" und sieht "Handlungsbedarf". Pircher fordert mehr Dialog und eine Landtagsenquete.

Arno Dalpra, Leiter der Jugendberatung Mühletor, warnt vor Überreaktionen. "Das Wichtigste ist, dass die Erwachsenen mit den Kindern im Gespräch bleiben, aber auch klare Positionen beziehen und damit Orientierung geben."

Ob die strafunmündigen Kinder weiter die Behörden beschäftigen werden, entscheidet die Jugendwohlfahrt. Die Palette an möglichen "Maßnahmen" reicht vom Beratungsgespräch bis zur "Fremdunterbringung" im sozialpädagogischen Internat. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 5.9.2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.