Sambia lehnt genmanipulierte Nahrungsmittelhilfe aus den USA endgültig ab

4. September 2002, 19:09
posten

Präsident Mwanawasa: "Ich werde den sambischen Bürgern nicht erlauben, Gift zu essen"

Lusaka/Wien - "Ich werde den sambischen Bürgern nicht erlauben, Gift zu essen", erklärte Präsident Levy Mwanawasa in der Nacht auf Mittwoch in Lusaka. Sambia lehnte damit "endgültig" Nahrungsmittelhilfe ab, die aus genmanipuliertem US-Mais besteht. Auch die katholische Kirche und diverse Umweltgruppen warnten wegen Sicherheitsbedenken vor einem Import des Genmais. Doch die Regierung muss zwei Millionen Hungernde versorgen.

Die internationale Hungerhilfe für Sambia, Simbabwe, Malawi, Lesotho, Mosambik oder Swasiland lief bisher äußerst schleppend an. Die USA sind bei weitem der größte Geber, wollen aber nicht auf die Bedenken der Empfänger eingehen. Überspitzt formuliert geht es bei dem Dilemma um die Frage, ob Hungernde wählerisch sein können.

Im Nachbarland Mosambik, wo 80 Prozent der 19,3 Millionen Einwohner von der Landwirtschaft abhängen, plant die Regierung gerade eine gesetzliche Grundlage für den Umgang mit Genmais. Sie befürchtet, dass die Bauern einen Teil davon für die nächste Saat aufbewahren und sich das genmanipulierte Saatgut mit einheimischem Mais vermischen werde.

Das brächte gravierende Probleme für den Maisexport. Denn der südostafrikanische Staat, dessen Landwirtschaft 30 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, könnte dann keinen Mais mehr in die EU exportieren. Die EU steht gentechnisch veränderten Lebensmitteln äußerst negativ gegenüber.

Das durch seine chaotische "Landreform" in die Schlagzeilen geratene Simbabwe hat seine starre Haltung inzwischen aufgeweicht. Nach einer totalen Ablehnung sind nun Verhandlungen im Gange, wonach der Genmais in gemahlener Form ins Land darf. Auch Malawi schloss sich dieser Haltung an, da inzwischen drei der 10,55 Millionen Einwohner nichts mehr zu essen haben.

Das Land hat ebenso wie Simbabwe seine Krise zum Teil mitverschuldet, indem es Lebensmittelreserven von 166.000 Tonnen Mais verkaufte. Das meiste davon ging über Regierungsmitarbeiter in den Export. (plo/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 9. 2002)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.