Heilsamer Insulin-Sprühnebel

5. September 2002, 12:03
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Wird das Hormon zu feinsten Tröpfchen zerstäubt, erhöht sich die Wirksamkeit - neue Technik in Entwicklung

London/Wien - Wird Insulin zu feinsten Tröpfchen zerstäubt, erhöht sich die Wirksamkeit des Hormons. Über entsprechende Ergebnisse von Tierversuchen berichtet das britische Wissenschaftsmagazin "New Scientist" in seiner Ausgabe vom kommenden Samstag.

Demnach hat ein australisches Forscherteam von der Deakin University bei Melbourne nachgewiesen, dass Ratten nur ein Drittel der ursprünglichen Menge an Insulin verabreicht werden muss, wenn das Hormon in Form winziger Tröpfchen von weniger als 100 Nanometern Durchmesser aufgenommen wird.

Hält länger

Die unter anderem von einem Forscherteam um Neil Foster von der University of New South Wales entwickelte Vernebelungstechnik hat noch einen weiteren positiven Effekt: Während die Wirkung normaler Insulin-Injektionen bereits nach 30 Minuten nachlässt, ist der Nano- Wirkstoff auch nach 60 Minuten noch aktiv. Diabetiker müssten mit dem neuen Medikament nicht mehr fünf Mal, sondern nur noch zwei oder drei Mal täglich zur Spritze greifen.

Warum der Nano-Nebel besser wirkt als herkömmliche Präparate, konnten die Forscher noch nicht klären. Getestet wird die Zerstäubung zu Nano-Partikeln nun aber auch bei anderen Wirkstoffen. Schätzungen von Wissenschaftern zufolge werden derzeit noch rund die Hälfte aller Medikamente in einer vom Körper schwer aufnehmbaren Form verabreicht. Zu winzigen Partikeln vernebelte Wirkstoffe könnten künftig viele Impfungen zu Gunsten von Pflastern oder inhalierbarer Sprays unnötig machen.

Zur Inhalation

Bereits in Erprobung bei Patienten ist inhalierbares Insulin. Es wird von den Pharmakonzernen Aventis und Pfizer gemeinsam entwickelt. Studie dazu laufen auch in Österreich, zum Beispiel an der 3. Medizinischen Abteilung am Krankenhaus Lainz in Wien ab. Mit der neuen Verabreichungsform könnten sich Diabetiker die Injektionen gänzlich ersparen. Allerdings dürften sie dann nicht rauchen, weil in einem solchen Fall das inhalierte Insulin besser wirkt und lebensgefährliche Unterzuckerungs-Zwischenfälle (Hypoglykämien) eintreten können. (APA/dpa)

Vgl. "New Scientist", (Nr. 2359, S. 19)
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