Projekt Wien-Mitte: Streichung des Welterbeprädikats droht noch immer

4. September 2002, 18:24
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ICOMOS-Präsident Petzet bei Häupl - Bürgermeister kündigte Gespräche mit Betreibern an

Wien - Der Präsident des ICOMOS ("International Council on Monuments and Sites", der UNESCO-Fachbeirat für Weltkulturerbe), Michael Petzet, hat am Mittwoch dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) einen Besuch abgestattet. In dem Treffen im Rathaus sei es um die Zukunft des Prädikats "Weltkulturerbe" für die Innenstadt und damit auch um die Sorge der UNESCO angesichts des geplanten Hochhaus-Projekts in Wien-Mitte gegangen, hieß es im Anschluss an die Unterredung.

Der Bürgermeister versprach: "Wir werden schauen, was machbar ist." Er sei jedoch "extrem zuversichtlich", dass man zu einer Lösung kommen werde. Und er betonte: "Es ist unbezweifelbar, dass dort ein Projekt verwirklicht werden muss, das einer Weltstadt würdig ist." So wie es jetzt dort ausschaue, sei dies nicht der Fall, so Häupl mit Verweis auf den eher desolaten Zustand des Areals.

Konzept erwartet

Er hoffe, dass noch in diesem Jahr ein Konzept vorliegen werde, mit dem die Bedenken der UNESCO ausgeräumt werden können. Die Gespräche mit den Betreibern sollten "möglichst rasch" beginnen. Er habe bei dem Treffen mit Petzet jedenfalls betont, dass Wien sehr großen Wert auf das Attribut "Weltkulturerbe" lege.

Der ICOMOS-Präsident warnte jedoch im APA-Gespräch: "Die Streichung des Prädikats droht noch immer." Das Treffen mit dem Wiener Bürgermeister war laut Petzet ein "Informationsaustausch". Er warte nun mit Spannung auf jenen Bericht, den die Republik Österreich bis 1. Oktober an das UNESCO-Welterbekomitee schicken wird. Dieses hat unter anderem "schwerwiegende Bedenken" über das Wien-Mitte-Projekt geäußert, und zwar über die "architektonischen Lösungen und die Höhe der geplanten Türme", wie es hieß.

"Stadtbildveränderungen"

Sollte die Besorgnis des Komitees über die Höhe - sowie generell um die Bewahrung des historischen Gebäudebestandes in der Innenstadt - nicht ausgeräumt werden, droht ein Verfahren zur Aberkennung des Welterbeprädikats. Das wurde von Petzet heute bestätigt. "Die denkmalpflegerische Betreuung der Innenstadt muss verbessert werden", betonte der ICOMOS-Präsident.

Die Streichung von der Welterbe-Liste wäre "schon eine gewisse Blamage für die Stadt", hatte Petzet zuletzt betont. Er sei zwar nicht prinzipiell gegen Hochhäuser, sie sollten jedoch nicht so nahe an einem historischen Altstadt-Ensemble gebaut werden. Michael Petzet wird am Donnerstag an einem Symposium zum Thema "Stadtbildveränderungen" in der Klimt-Villa in Hietzing teilnehmen. (APA)

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