EU-Delegation trifft mit Flüchtlingen in Tschetschenien zusammen

4. September 2002, 16:07
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Menschenrechtsorganisationen: Vertriebene werden zur Rückkehr gezwungen

Grosny - In die Hauptstadt Grosny zurückgekehrte tschetschenische Flüchtlinge haben sich beim Besuch einer EU-Parlamentariergruppe darüber beschwert, dass die versprochenen Wohnungen nicht gebaut worden seien. Außerdem seien sie um Furcht ihrer Kinder in der Stadt, in der russische Patrouillen ständig auf der Suche nach Rebellen seien. Die Delegation unter Leitung von Lord Judd besuchte am Mittwoch Flüchtlingsheime in Grosny und traf mit dem Ministerpräsidenten der von Moskau eingesetzten Regierung, Stanislaw Iljasow, zusammen.

Im Mittelpunkt der Reise stand die Suche nach einer politischen Lösung des Konflikts sowie die Lage der Flüchtlinge in Tschetschenien. Judd wollte der Kritik von Menschenrechtsorganisation nachgehen, die erklärt hatten, dass die Rückkehr für die Flüchtlinge nicht sicher genug sei und Zivilisten von den russischen Truppen misshandelt oder getötet worden seien.

Judd sagte bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der pro-russischen Verwaltung in Tschetschenien, Achmed Kadirow, er habe erfahren, dass Menschen zur Rückkehr gezwungen worden seien. Kadirow bestritt das und lehnte den Vorschlag Judds ab, die Friedensverhandlungen mit den Separatisten wieder aufzunehmen. "Die ganze Welt hat sich im Kampf gegen Terroristen und Banditen vereinigt und Sie schlagen vor, dass die Russische Föderation mit Terroristen und Banditen verhandeln soll", sagte Kadirow.

Die nach Grosny Heimgekehrten beklagten sich bei der EU-Delegation. Die von den Behörden versprochenen Neubauten seien nicht errichtet worden. "Sie haben versprochen, dass sie Häuser bauen werden, aber sie haben nichts gemacht", sagte eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann und fünf Kindern in einem Zimmer des Wohnheims lebt. Eine Mutter von vier Kindern fürchtete um die Sicherheit ihrer Kinder: "Wenn sie das Haus verlassen, wissen wir nie, wann sie wiederkommen werden." Auf der Suche nach Rebellen würden die russischen Soldaten auch vor Kindern keinen Halt machen. (APA/AP)

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