Zürcher Stadtrat befürwortet Vertragsauflösung

4. September 2002, 15:31
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Die Entscheidung sei künstlerisch bedauerlich, doch sachlich richtig - Neues Finanzloch zeichnet sich ab - Angst vor Absprung von Sponsoren

Zürich - Der Zürcher Stadtrat steht hinter dem Entscheid des Schauspielhaus-Verwaltungsrates, den Vertrag mit Intendant Christoph Marthaler aufzulösen. Künstlerisch sei dies zwar durchaus bedauerlich, sachlich aber "verantwortungsvoll und richtig".

Neues Finanzloch zeichnet sich ab

Angesichts der dramatischen finanziellen Lage des Schauspielhauses gehe es nun darum, dessen Überleben zu sichern, schreibt der Stadtrat in seiner Stellungnahme. Ob die kommende Saison - trotz Sparprogramm - finanziert werden könne, sei unsicher. Für die Spielzeit 2003/04 zeichne sich jedenfalls erneut ein Finanzloch von 4 bis 5 Millionen Franken (2,73 Mill. Euro bis 3,41 Mill. Euro) ab.

Kostenleistungen der Stadt

Der Stadtrat rechnet die Leistungen vor, welche die Stadt erbracht hat, um für Marthalers Theater optimale Rahmenbedingungen zu schaffen: Seit Amtsantritt Marthalers im Jahr 2000 stiegen die städtischen Subventionen um rund 40 Prozent auf mittlerweile rund 30 Millionen Franken im Jahr für den Theaterbetrieb plus 3,5 Millionen an Gebäudekosten für den Pfauen. Weitere Millionen seien weder vom Gemeinderat noch vom Volk zu erhalten, obendrein seien große Sponsoren daran abzuspringen.

Kontrast zwischem künstlerischem und Publikums-Erfolg

Die künstlerischen Erfolge des Schauspielhauses erkenne der Stadtrat an und er freue sich mit Marthaler über die schon zweimal erhaltene Auszeichnung als bestes Sprechtheater im deutschsprachigen Raum. Nicht zu übersehen sei allerdings, dass der "künstlerische Höhenflug auffallend mit dem Publikums(miss)erfolg kontrastiert".

Rückgänge bei den Abos seien nur im ersten Jahr normal

Rückgänge von 20 Prozent bei den Zuschauerzahlen und von 40 Prozent bei den Abonnenten wurden im ersten Marthaler-Jahr verzeichnet. Dies sei zwar bei einem Wechsel der künstlerischen Leitung nichts ungewöhnliches, sollte sich aber nicht fortsetzen - genau dies aber, zum Teil noch beschleunigt, geschah. (APA/sda)

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