Korea: Messerattacke im Kindertagesheim

4. September 2002, 15:46
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Amokläufer stach wahllos auf Kinder ein - "Stimmen" hätten den geistig Verwirrten zum Blutbad angestiftet...

Seoul - Ein Amokläufer hat in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ein Blutbad unter kleinen Kindern angerichtet. Der offenbar geistig verwirrte 53-Jährige drang am Mittwoch laut Polizei in die Kindertagesstätte einer christlichen Kirche in Seoul ein und stach mit zwei Küchenmessern wahllos auf die sechs- und siebenjährigen Kinder ein, die gerade in der Kantine beim Mittagessen saßen. Zehn Kinder mussten mit Stichverletzungen an Hals und Kopf im Krankenhaus behandelt werden, drei von ihnen waren schwer verletzt. Der Mann konnte zunächst aus der Kirche entkommen, wurde aber später von der Polizei überwältigt.

Augenzeugen zufolge kam der Mann durch eine Hintertür in die Kantine im Keller der Neung-Dong-Kirche. Einen Erzieher, der ihn ansprach, habe er ignoriert. Als der Erzieher wegging, um Verstärkung zu holen, zückte der Mann plötzlich die Messer. "Er lief auf einmal Amok, mitten in der Kantine, und stach auf jeden ein, der ihm in den Weg kam", sagte ein Kirchenvertreter.

45 Schüler und Lehrer waren in der Kantine

Ein anderer Augenzeuge berichtete, der Mann habe die schreienden Kinder sogar verfolgt und auf sie eingestochen. Die Kleinen hätten Schutz unter den Tischen gesucht. Die ganze Kantine war voller Blut, zerbrochene Stühle und Brotdosen lagen herum. Zum Zeitpunkt des Angriffs hielten sich laut der Nachrichtenagentur Yonhap 45 Schüler und Lehrer in der Kantine auf.

"Stimmen" haben zur Tat angestiftet

Das südkoreanische Fernsehen zeigte den Amokläufer nach der Festnahme. Beim Verhör sagte er laut Yonhap aus, Stimmen in der Nacht hätten ihn zu der Tat angestiftet: "In der vergangenen Nacht flüsterte mit jemand ins Ohr, dass er mich töten wird. 'Wenn Du viele andere tötest, wirst Du jedoch gerettet'".

Schlechte Versorgung geistig Kranker in Korea

"Ich kann nicht verstehen, warum solch ein Verrückter frei herumläuft", sagte die Mutter eines verletzten Kindes. "Solche Leute müssen eingesperrt und von anderen getrennt werden. Auf Medikamente allein kann man sich nicht verlassen." Die Versorgung geistig Kranker ist in Südkorea schlecht. Meist muss sich die Familie selbst um einen Patienten kümmern. (APA)

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    Der Speisesaal nach der Tat

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