Anklage gegen Eiskunstlauf-Olympiasieger liegt vor

4. September 2002, 13:57
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Die Staatsanwaltschaft wirft Wolfgang Schwarz angeblich Menschenhandel und Bandenbildung vor...

Wien - Die Staatsanwaltschaft Wien hat die Anklage gegen den Eiskunstlauf-Olympiasieger Wolfgang Schwarz fertig gestellt. Das berichtet die Illustrierte "News". Demnach legt Staatsanwältin Natascha Michel dem 54-Jährigen Menschenhandel und Bandenbildung zur Last. Der Prozess sei für Oktober geplant, schreibt das Magazin.

"Ich habe die Anklageschrift noch nicht zugestellt bekommen", konnte Herbert Eichenseder - der Rechtsvertreter des früheren Spitzensportlers - am Mittwoch auf Anfrage der APA zu den detaillierten Anschuldigungen noch keine Auskunft geben. Bei der Anklagebehörde war vorerst kein Sprecher erreichbar.

Olympiasieger hat Vorwürfe bisher stets zurückgewiesen

Wolfgang Schwarz, der sich 1968 bei den Olympischen Spielen in Grenoble die Goldmedaille am Eis ertanzte, war im vergangenen März in der Bundeshauptstadt festgenommen worden. Fast sechs Wochen verbrachte er in U-Haft, weil er - so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft - mehrere Mädchen aus dem Osten angeworben und an Nachtclubs in Österreich vermittelt haben soll. Er soll den jungen Frauen Visa verschafft und von diesen illegalen Geschäften auch selbst finanziell profitiert haben. Der 54-Jährige hat die erhobenen Vorwürfe bisher stets zurückgewiesen.

Mitbeschuldigte Armenierin

Schwarz und die mitbeschuldigte Armenierin Nardine A. - er hatte die Frau in Moskau kennen gelernt - sollen die aus Litauen, Russland, Weißrussland und der Ukraine stammenden Mädchen mit der Aussicht auf lukrative Jobs nach Österreich gelockt haben. Über ihre tatsächliche Tätigkeit im Westen wurden die jungen Frauen angeblich nicht informiert. "Schwarz erzählte ihnen, dass sie in der nobelsten Bar Europas arbeiten würden. Sie müssten lediglich Cocktails mixen und sich mit den Gästen unterhalten," so die Anklage. Nach erfolgreicher Vermittlung der beiden Frauen an ein Wiener Bordell soll Schwarz Zuhältern aus dem Osten gegen eine Zahlung von jeweils 2.000 US-Dollar (2.018 Euro) laufend weitere Mädchen "abgekauft" haben.

Der ehemalige Eislauf-Star hatte sich zuletzt im Sportmarketing versucht. Vor allem in der ehemaligen Sowjetunion wollte er Fuß fassen. Mit einer Art Buchungsplattform organisierte Schwarz unter anderem Tennis- und Golfturniere. (APA)

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