Heimischer Tourismus profitierte von Anschlägen

4. September 2002, 12:55
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Verstärktes Sicherheitsbedürfnis lässt Österreich-Buchungen steigen

Wien - Zweistellige Rückgänge bei US- und Japan-Urlaubern in Österreich, nur kurzfristige Einbrüche im Kongresstourismus und zusätzliche Buchungen für Österreich als sicheres, per Pkw, Bus oder Bahn erreichbares Urlaubsland - diese Bilanz zieht die österreichische Tourismuswirtschaft ein Jahr nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Die Terroranschläge haben vor allem das Reiseverhalten der Urlauber verändert und schon vorher bestehende Trends wie die starke Nachfrage nach Kurzurlauben verstärkt. Diese Entwicklungen sind allerdings auch eng mit dem schwachen konjunkturellen Umfeld verbunden.

Der 11. September hat den Wunsch der Urlaubsgäste nach Sicherheit und Wohlbefinden verstärkt, Flugangst ist nach wie vor vorhanden, ist Tourismusberater Manfred Kohl überzeugt. Wellness- und Thermenhotels boomen, da sie auch "eine Flucht in eine Traumwelt, weg vom Terror" ermöglichen, sagte Kohl zur APA. Österreich profitiere durch seine Positionierung als beständiges, solides Urlaubsziel bei inländischen und ausländischen Gästen.

"Riesenchance"

"Der 11. September war eine Riesenchance für Österreich", meint auch der Geschäftsführer der Österreich Werbung (ÖW), Arthur Oberascher. Katastrophen wie Terroranschläge oder auch die aktuellen Hochwasser würden immer einen "Ruck im Werte- und Moralwandel" bewirken, das Sicherheitsbedürfnis der Menschen steige. Die Folge sei eine steigende Nachfrage nach nahen und bekannten Destinationen, die mit Pkw oder Bahn erreichbar seien. Kurzaufenthalte und individuell zugeschnittene, authentische Urlaube seien im Steigen, Besuche von Großevents rückläufig, berichtete Oberascher der APA. Der Urlauber suche eher Wellness, Erholung oder Sport. Das Internet werde als Informationsmedium für die Reiseplanung stärker genutzt.

Österreich könne aus den Terroranschlägen "einen Vorteil lukrieren", bereits in der vergangenen Wintersaison habe das Motto "Skiurlaub in Österreich statt Fernreisen" gelautet, so Oberascher. Einbußen im Kongresstourismus seien durch andere Kongresse ebenso kompensiert worden wie das Ausbleiben von Gästen aus den USA und Japan durch den Nahtourismus. Die Entwicklung von Herkunftsländern wie USA oder Japan, wo 2001 und in den ersten Monaten 2002 noch teils zweistellige Buchungsrückgänge verzeichnet wurden, beginne sich auch langsam wieder zu "normalisieren".

"9/11 gibt der österreichischen Tourismuswirtschaft positiven Rückenwind - aber nicht mehr", bemerkte Kohl. Sich auf die Auswirkungen der Terroranschläge zu verlassen wäre aber genauso fatal wie die Terroranschläge als Ausrede für Buchungsrückgänge zu verwenden, meint Kohl.

"Eher kurzfristige Auswirkungen"

"Eher kurzfristige Auswirkungen" der Terroranschläge ortet hingegen der Österreich-Geschäftsführer der Reiseveranstalters GTT/TUI, Franz Leitner. Zwar seien Buchungen für Pauschalreisen nach wie unter Plan, dies sei aber vielmehr auf die Euroumstellung und die schwache Konjunktur zurückzuführen, sagte Leitner zur APA. 9/11 habe allerdings die schon vorher bestehende Kurzfristigkeit von Buchungen weiter verstärkt: "25 bis 30 Prozent der Buchungen gelten für die unmittelbare Abflugwoche", so Leitner. Auch die Reisedauer habe sich verkürzt: "Zwei Wochen Urlaub sind vorbei, nun sind 10 bis 11 Tage Urlaub gefragt", so Leitner. (APA)

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