El Kaida weiter weltweit aktiv

4. September 2002, 12:49
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Finanzsystem trotz Kontensperre intakt

Wien - Ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ist die islamistische Terrororganisation El Kaida weiterhin weltweit aktiv. Wie aus einem kürzlich erstellten UNO-Report hervorgeht, sind trotz des Einfrierens von El Kaida-Konten kurz nach dem 11. September auch ihre Finanzquellen wieder zum Großteil intakt. Da El Kaida aus autonomen Zellen besteht, wird vermutet, dass die Organisation auch ohne das zentrale Kommando ihres mutmaßlichen Anführers Osama bin Laden aktiv sein kann.

Europäische und amerikanische Geheimdienste vermuten, dass die Terrororganisation ein verzweigtes Netzwerk betreibt, darunter auch mit Zellen in einigen westlichen Staaten, etwa in Deutschland, Spanien, Italien und den USA, wo in den vergangenen Monaten El Kaida-Kämpfer festgenommen wurden. Als Rückzugsgebiete der Kämpfer der Organisation vermuten die Geheimdienste durch Zentralregierungen schwer kontrollierbare oder von Unruhen oder Bürgerkrieg erschütterte moslemische Länder und Regionen wie Somalia, Kaschmir, Tschetschenien oder das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet.

Weiters werden finanzielle und persönliche Kontakte von El Kaida in islamische Staaten des Nahen Ostens und Ostafrikas, etwa in den Jemen, in die Vereinigte Arabische Emirate oder in den Sudan vermutet. Die Terrororganisation soll ihre Aktivitäten unter anderem durch Opium- und Heroinhandel finanzieren.

Die Einfrierung der El Kaida-Konten konnte die Organisation ebenfalls kaum schwächen: Finanztransfers sollen nach einem Bericht der "Washington Post" weniger über Bankverbindungen erfolgen, als über schwieriger dokumentierbare Wege wie Goldschmuggel. Nach Erkenntnis des UNO-Berichts über die Finanzlage von El Kaida spielt auch das traditionelle moslemische Finanzsystem Hawala, mit dem Gelder nach mündlichen Absprachen ohne schriftliche Belege übertragen werden können, eine wichtige Rolle bei den Aktivitäten der Terrorgruppe. Bereits Jahre vor den Anschlägen in den USA soll El Kaida Teile ihrer Finanzmittel in Gold und Edelsteinen angelegt haben. (APA)

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